Wörterbuch

Auf genderleicht.de verwenden wir Fachbegriffe. Zum besseren Verständnis erklären wir hier die wichtigsten:

Beidnennung / Doppelnennung

Werden in einer Personenbeschreibung die männliche und die weibliche Variante nebeneinander genannt, so ist das die Beidnennung, Doppelnennung oder auch Paarform. Bsp.: Bürgerinnen und Bürger. Ob die weibliche oder männliche Form zuerst genannt wird, ist mehr eine Frage der Höflichkeit oder des Sprachflusses als des Vorrangs. Es bietet sich an zu wechseln.

Die Beidnennung betont die Zweigeschlechtlichkeit oder auch Binarität. Die geschlechtliche Vielfalt wird dagegen erst durch die Verwendung von Genderzeichen wie den Genderstern deutlich.

Cis

Das Wörtchen cis steht für Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das aufgrund ihrer äußeren Geschlechtsmerkmale nach der Geburt festgestellt wurde. Cis ist das Gegenteil von trans, beide Wörter stammen aus dem Lateinischen: cis steht für diesseits, trans für jenseits. Der Sexualforscher Volkmar Siegusch hat den „cisgender“-Begriff 1995 erfunden.

Divers

Das Bundesverfassungsgericht hat im Oktober 2017 festgestellt, dass es gegen das im Grundgesetz geschützte Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot verstößt, wenn Personen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen, nur als Mann oder Frau, oder alternativ als geschlechtslos registriert werden. Seit 2013 war es möglich, den Geschlechtseintrag leer zu lassen oder den bisherigen Eintrag zu löschen. Aufgrund der höchstrichterlichen Entscheidung wurde zum 1.1.2019 ein neues Personenstandsrecht geschaffen, das neben „männlich“ und „weiblich“ den Eintrag „divers“ ermöglicht; der Eintrag kann auch weiterhin offen bleiben (§§ 22 und 45b Personenstandsgesetz). Weitere Änderungen in anderen Gesetzen zur Berücksichtigung von „divers“ können folgen.

Artikel – Was sich durch „divers“ ändert – Zeit.de

Feminismus

Feminismus setzt sich für die Gleichstellung aller Menschen ein, bekämpft Sexismus und die Diskriminierung von Frauen. Auf welche Weise dies durchgesetzt werden soll, was davon umfasst wird, dazu gibt es verschiedene Ansätze. Wir sprechen deshalb heute von Feminismen. Es gibt nicht den einen Feminismus.

Genderleicht

Genderleicht ist ein vom Journalistinnenbund e.V. entwickeltes Kunstwort, das als Eigenwort und als Adjektiv verwendet werden kann. Genderleicht drückt die Überzeugung aus, dass es im Prinzip ganz einfach ist, so zu formulieren, dass alle einbezogen werden. Aus diesem Grund haben wir das Team Genderleicht gegründet und unser Projekt genderleicht.de genannt.

Gendern

Der englische Ausdruck to gender bedeutet, einer Person ein soziales Geschlecht zuzuschreiben. Als Verb in der deutschen Sprache ist es relativ neu und erst seit kurzem im Duden. Gendern bedeutet, beim Sprechen und Schreiben Formulierungen zu wählen, die alle biologischen wie auch sozialen Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten einbeziehen – weiblich, männlich, intergeschlechtlich, trans, nicht-binär und vieles mehr. Wir von Genderleicht finden: Neben Texten können auch Fotos, Filme und alles andere, was Menschen präsentiert, gegendert werden. Sie sind dann so gestaltet, dass alle Geschlechter gleichermaßen sichtbar werden.

Der Begriff wird oft zu eng gefasst – als Kritik am Genderstern und einem unsachgemäßen Einsatz von ungewohnten Partizipien. Gendern kann mehr und ist mehr.

Gendersensibler Journalismus

Eine Berichterstattung, die sich um die  gleichwertige Darstellung aller Geschlechter bemüht, entsprechend der in Artikel 3 Grundgesetz verankerten Werte, ist gendersensibler oder genderbewusster Journalismus. Zu den im Pressekodex formulierten journalistischen Grundregeln zählt die Verpflichtung zu Sorgfalt und Wahrhaftigkeit wie auch der Grundsatz, Diskriminierungen zu vermeiden.

Generisches Maskulinum

Wenn 99 Chorsängerinnen und ein Sänger als 100 Chorsänger bezeichnet werden, so wird diese Sprachform als generisches Maskulinum bezeichnet. Die männliche Form wird hier im allgemeingültigen Sinne gebraucht: Sobald in einer Gruppe von Menschen auch nur ein einziger Mann dabei ist, kann und soll die männliche grammatikalische Form verwendet werden – unabhängig davon, wie viele Frauen im Chor mitsingen. In der Linguistik wird diese Sprachtradition mittlerweile sehr kontrovers diskutiert. Studien haben gezeigt: Insbesondere Mädchen und Frauen werden bei dieser Sprachform nicht wirklich gedanklich einbezogen.

Geschlechtergerecht

Dieses Adjektiv zeigt auf, dass es darum geht, alle handelnden Personen gleich welchen Geschlechts in Wort und Bild gleichermaßen sichtbar zu machen. Geschlechtergerecht bedeutet, alle als gleichwertig darzustellen, Maßstab ist die Gerechtigkeit. Viel zu häufig ist der Mann die Norm, und die weiteren Geschlechter bleiben unsichtbar oder werden auf verschiedene Arten abgewertet.

Geschlechtersensibel

Die Adjektive geschlechtersensibel oder auch gendersensibel gehen einen Schritt weiter als das Wort geschlechtergerecht. Sie fragen stärker nach Geschlechter-Rollen und ob diese noch Bestand haben. Sie fordern auf, sich durch einen Perspektivwechsel in ein anderes Geschlecht hineinzuversetzen. Gendersensible Medienarbeit bedeutet, differenzierte Rollenbilder zu vermitteln und Diskriminierungen aller Art zu vermeiden.

Geschlechtsneutral

Formulierungen, die keinen Rückschluss auf das Geschlecht geben, sind geschlechtsneutral. Beispiele: Lehrkraft, Pflegepersonal, Kaufleute, ärztliches und pädagogisches Fachpersonal. Mit diesen Wörtern lassen sich alle beschreiben, die zu der jeweiligen Berufsgruppe gehören, egal welches Geschlecht sie haben. Menschen, Leute, Personen sind ebenfalls geschlechtsneutrale Begriffe.

Intergeschlechtlich

Wer mit Geschlechtsmerkmalen geboren wird, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind, gilt als intergeschlechtlich. Die Häufigkeit liegt bei 1:500. Lange Zeit war es üblich, bereits im Kindesalter durch medizinische Eingriffe eine Zuordnung zu einem Geschlecht zu vollziehen. Zahlreiche Verbände und Organisationen haben sich jahrelang für ein Verbot dieser Praxis eingesetzt.

Am 22. Mai 2021 trat das Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung in Kraft. Nunmehr sind Operationen verboten, die nur das Ziel haben, das körperliche Erscheinungsbild des Kindes an das des männlichen oder des weiblichen Geschlechts anzugleichen.

Intergeschlechtliche Menschen sollen im zustimmungsfähigen Alter selbst und frei entscheiden sollen, ob sie medizinische Maßnahmen zur geschlechtlichen Angleichung wünschen.

Mehr dazu → Die Zeit, 07.05.2021

 

Klischee

Ursprünglich war Klischee eine Bezeichnung für Stempel oder Schablonen. Diese kamen beim Buch- und Zeitungsdruck zum Einsatz. Heute benutzen wir das Wort Klischee für Meinungen, Redensarten oder Vorurteile. Ein Klischee ist eine Meinung, die viele Menschen über eine bestimmte Gruppe von Personen haben. Wer genauer hinschaut sieht, dass ein Klischee oft gar nicht stimmt. Entweder weil etwas, was früher einmal so war, sich verändert hat. Oder weil Viele aus einer bestimmten Gruppe doch nicht gleich, sondern durchaus unterschiedlich sind.

Nicht-binär

Binär kommt aus dem Lateinischen und bedeutet doppelt oder paarweise. Im Zusammenhang mit Geschlecht steht es für die Annahme, dass es nur zwei Geschlechter gibt: weiblich und männlich. Nicht-binär oder non-binär ist das Gegenteil und bedeutet, sich diesen beiden Geschlechtern nicht zuordnen zu wollen oder zu können. Es ist in der Regel eine selbstbestimmte Bezeichnung und kann von Menschen unabhängig von ihren Körpermerkmalen benutzt werden.

Rollenstereotype

Was als typisch weiblich oder typisch männlich angesehen wird, gilt als Geschlechtsrollenstereotype auch auch Rollenklischee. Sie verfestigen die Rollenmuster von Mädchen und Jungen, von Frauen und Männern sowie die Annahme, es gäbe nur diese beiden Geschlechter. Solche Rollenstereotype ordnen dem jeweiligen Geschlecht pauschal Eigenschaften, Verhaltensweisen, Stärken und Schwächen zu. Sie lassen keinen Raum für geschlechtliche Vielfalt.

Obendrein enthalten Rollenstereotype Werturteile. In der Regel wird das weibliche Geschlecht abgewertet, das männliche Geschlecht aufgewertet, unter anderem auch indem der Mann pauschal als die Norm des Menschen betrachtet wird. Geschlechtsrollenstereotype verzerren die Wirklichkeit und wirken diskriminierend.

Trans

Wenn das eigene Wissen um die geschlechtliche Identität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht übereinstimmt, wird dies als Transgeschlechtlichkeit oder Transidentität bezeichnet. Beispielsweise kann ein Kind, das nach der Geburt den Geschlechtseintrag „weiblich“ erhalten hat, schon früh spüren, dass es ein Junge ist. Ein Jugendlicher mit Geschlechtseintrag „männlich“ kann den Wunsch verspüren, von anderen als das Mädchen gesehen zu werden, das es ist. Eine erwachsene Person kann sich dazu entscheiden, entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität leben zu wollen.

Maßgeblich ist, wie eine Person bezeichnet und angesprochen werden möchte. Es spielt dagegen keine Rolle, welche körperlichen Merkmale oder welchen Personenstand sie hat oder welche medizinischen Behandlungen sie vielleicht wünscht oder vorgenommen hat. Transidentität ist nicht mit sexueller Orientierung zu verwechseln.

Zum Weiterlesen empfehlen wir die umfangreichen Informationen bei nonbinary.ch, auch zur Abgrenzung von Nicht-Binarität.

Das Wort trans ist im Übrigen ein Adjektiv, das nicht dekliniert aber stets klein geschrieben wird. Zunehmend setzt sich eine Schreibung ohne Genderstern durch. Der Bundesverband Trans* setzt ihn weiterhin dahinter.

 

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