So geht Gendern beim Schreiben

Lange Zeit war es üblich, alles in der männlichen Form zu schreiben. Dann kamen der Schrägstrich und das dazwischen gestellte, große I. Jetzt haben wir das Gendersternchen und den Gender-Gap.

Wir sagen: Das ist fair.
Und es zeigt Vielfalt.

Das Binnen-I ist dafür da, Frauen und Männer in einem Wort zu erwähnen. Das Gendersternchen ist ein Platzhalter für die Vielfalt der Geschlechter. Manche empfinden den Gender-Gap als die politisch richtigere Wahl, weil es den Raum sprachlich öffnet.

Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG schützt nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Menschen, die sich diesen beiden Kategorien in ihrer geschlechtlichen Identität nicht zuordnen, vor Diskriminierungen wegen ihres Geschlechts.

Aus dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017

In Deutschland leben etwa 160 000 Menschen, deren Geschlecht sich nicht eindeutig als männlich oder weiblich zuordnen lässt und dies aus ganz unterschiedlichen biologischen Gründen. Im Personenstandsregister mussten sie sich dennoch als Mann oder Frau registrieren lassen. Seit 2013 gab es auf Wunsch den Eintrag: geschlechtslos. Der bisherige Eintrag konnte gelöscht werden.

Drei Geschlechter oder was?

Mit Beschluss vom 10. Oktober 2017 hat das Bundesverfassungsgericht klargestellt, dass der Staat „Menschen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen“ einen „anderen, positiven Geschlechtseintrag“ ermöglichen muss. Daraufhin wurde das Personenstandsgesetz mit Inkrafttreten am 22.12.2018 geändert: §§ 22 und 45 b ermöglichen „Personen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung“  unter Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung den Eintrag „divers“.

Diese Gerichtsentscheidung wird oft als Anerkennung eines „Dritten Geschlechts“ gesehen. Es gibt es jedoch viele verschiedene Geschlechter, jenseits des binären Verständnisses von Mann und Frau. Richtiger wäre es, von „Dritter Option“ zu sprechen. Das Gendersternchen, wie auch der Gender-Gap, verdeutlichen diese Vielfalt auf der sprachlichen Ebene.

Wortzusätze wie Binnen-I, Gendersternchen usw. haben den Nachteil, dass sie der deutschen Grammatik fremd sind. Geschlechtergerecht schreiben geht aber auch anders: ganz neutral, ohne eine Person zu erwähnen. So ist niemand ausgeschlossen oder falsch bezeichnet. Mit einer Prise Kreativität funktioniert das in sachlichen Texten ganz gut.

Sprachliche Gleichbehandlung

Bei allgemeingültigen Formulierungen wie Menschen, Personen oder Leute sind Frauen jedoch nicht erkennbar. Liegt Ihnen die Sichtbarkeit von Frauen am Herzen, machen Sie deren Leistungen oder Handlungen zum Thema. Ganz konkret ist besser als nebenbei.

Tipp

Wir empfehlen, zunächst einen neutralen Oberbegriff zu nehmen und im Verlauf des Textes zu schreiben, wer etwas tut. Das können mal Frauen sein. Oder Männer. Oder intergeschlechtliche oder nicht-binäre Personen. Fragen Sie sie, wenn möglich, welche Schreibweise für sie passt.

Tipps für gendergerechtes Schreiben:

Sehen Sie das auch so? 

„Werden wir jetzt umerzogen? Das ist doch alles Ideologie!“

Gleichheit vor dem Gesetz, Gleichberechtigung der Geschlechter und Freiheit von Diskriminierung: Das Grundgesetz und hier Artikel 3 bezeichnen wir nicht als Ideologie. Gendern ist konform mit fundamentalen Prinzipien unserer Gesellschaftsordnung.