Wie geht Gendern beim Schreiben?

Lange Zeit war es üblich, alles in der männlichen Form zu schreiben: im generischen Maskulinum. Dann kam  Bindestrich/Schrägstrich. Die Fortschrittlichen nutzten das große I. Es wurde zwischen die maskuline Bezeichnung und das feminine Anhängsel -in gestellt. 2015 vertrieb der Genderstern nach und nach das Binnen-I aus dieser Position. Alternativ brachte sich der Gender-Gap in Stellung. Momentan sieht es so aus, als würde der Gender-Doppelpunkt das Rennen der Genderzeichen für sich entscheiden.

Wir sagen: Das ist fair.
Und es zeigt Vielfalt.

Das Binnen-I war dafür da, Frauen und Männer in einem Wort zu erwähnen. Der Genderstern ist ein Zeichen für die Vielfalt der Geschlechter: Alle Menschen sind gemeint. Manche empfinden den Gender-Gap als die politisch richtigere Wahl, weil er den Raum sprachlich öffnet. Viele bevorzugen den unauffälligen Gender-Doppelpunkt, eine durchaus strittige Lösung.

Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG schützt nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Menschen, die sich diesen beiden Kategorien in ihrer geschlechtlichen Identität nicht zuordnen, vor Diskriminierungen wegen ihres Geschlechts.

Bundesverfassungsgericht

Aus dem Beschluss vom 10.10.2017

Genderstern & Co.

Überblick zu vielen Genderzeichen

Warum das Ganze?

Die deutsche Sprache unterscheidet zwischen Frauen und Männern. Deutsch ist eine genus-basierte Sprache, um mal ein Fachwort zu benutzen: Wir markieren sprachlich das Geschlecht der Person. Das machen wir mit femininen oder maskulinen Bezeichnungen und dem dazugehörigen Artikel: die Mitarbeiterin /der Mitarbeiter. Wir haben aber gemerkt: das reicht nicht.

Schnell auf den Punkt

Wenn wir eine Gruppe von Menschen beschreiben, wollen wir am liebsten nur ein Wort benutzen. Sprachökonomie heißt das. Wir schreiben: die Mitarbeiter. „Oh, je!“ sagt die feministische Sprachwissenschaft, übrigens schon seit 50 Jahren: „Wo bleiben die Frauen?“ Psycholinguistische Studien zeigen: Bei einem maskulinen Wort wird zunächst an Männer gedacht. Wir müssen raten: Sind vielleicht Frauen mitgemeint oder alle Geschlechtsidentitäten? Denn um die geht es auch.

Wir haben ein Problem: Im Deutschen betonen wir so stark das Geschlecht. Mit dem generischen Maskulinum gehen wir darüber hinweg. Es ist eine Sprachgewohnheit, keine feste Regel. Wir können es also auch anders machen.

Gendern bietet die Lösung

Genderzeichen wie Genderstern, Gender-Doppelpunkt oder Gender-Gap sollen die geschlechtliche Vielfalt auf der sprachlichen Ebene verdeutlichen. Sie werden bei Personenbeschreibungen zwischen den Wortstamm oder die maskuline Bezeichnung und die feminine Markierung -in oder -innen gesetzt. Die Linguistik diskutiert bereits, ob wir ein neues Suffix haben: *in oder *innen. Das meint dann alle Menschen, gleich welchen Geschlechts.

Gendern macht Probleme

Im Plural funktioniert das Gendern mit den Genderzeichen recht gut. Weil sich der Artikel nicht ändert. Im Singular haben wir den maskulinen Artikel der und den weiblichen die. Das lässt sich zu der*die zusammenziehen. Beim Deklinieren, im Genitiv und Dativ, wird es kompliziert und fehleranfällig. Deshalb der Ratschlag: Lieber nur im Plural mit Genderzeichen schreiben.

10 Regeln für den Genderstern

Gendergerechtes Schreiben

Was sagt der Rat für deutsche Rechtschreibung?

Genderzeichen, mitten im Wort platziert, sind der deutschen Grammatik fremd. Der Rat für deutsche Rechtschreibung sagt: Sie sind „rechtschreibwidrig“.

Dieses Gremium berät regelmäßig zur Sprachentwicklung und soll für Einheitlichkeit im deutschen Sprachraum sorgen. 2018, 2021 und 2023 hat sich der Rechtsschreibrat gegen Genderzeichen als Fremdkörper im Wortinneren ausgesprochen. Er will die weitere Sprachentwicklung beobachten. Aber: Er befürwortet durchaus Geschlechtergerechtigkeit beim Schreiben, allerdings nur mit den anerkannten Rechtschreibregeln.

So geht es auch

Der Rat für deutsche Rechtschreibung empfiehlt:

  • Bleiben Sie sachlich korrekt und verständlich
  • Achten Sie auf den Lesefluss: Lässt sich der Text gut vorlesen?
  • Schreiben Sie so, dass der Text seiner Funktion entspricht
  • Passen Sie die Schreibweise der Zielgruppe an

Die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt

In Deutschland leben etwa 160 000 intergeschlechtliche Menschen, so eine Hochrechnung, eine Statistik wird nicht geführt. Ihre Körper haben weibliche und männliche Merkmale in vielen verschiedenen Variationen. Das Personenstandsregister kannte lange Zeit ausschließlich den Eintrag männlich oder weiblich. Seit 2013 gibt es den Eintrag: geschlechtslos. Doch niemand ist geschlechtslos.

Mit Beschluss vom 10. Oktober 2017 hat das Bundesverfassungsgericht klargestellt, dass der Staat „Menschen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen“ einen „anderen, positiven Geschlechtseintrag“ ermöglichen muss.

Daraufhin wurde das Personenstandsgesetz mit Inkrafttreten am 22.12.2018 geändert: §§ 22 und 45 b ermöglichen „Personen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung“ den Eintrag divers.

Der Beschluss des Bundesverfassunggerichts hat der Genderdebatte einen entscheidenden Impuls gegeben. Wenn schon das höchste deutsche Gericht feststellt, dass das Grundgesetz geschlechtliche Identität vor Diskriminierung schützt und so geschlechtliche Vielfalt anerkennt, dann muss auch sprachlich etwas passieren.

Mehr als zwei Geschlechter?

Diese Gerichtsentscheidung wird oft als Anerkennung eines „Dritten Geschlechts“ gesehen. Es gibt jedoch viele verschiedene Geschlechtsidentitäten, jenseits des binären Verständnisses von Mann und Frau. Richtiger ist es, von „Dritter Option“ zu sprechen, denn gemeint ist die dritte Möglichkeit eines Geschlechtseintrags im Personenstandsregister. Intergeschlechtliche Personen, und seit einer Entscheidung des BGH auch nichtbinäre, können sich als divers bzw. ohne Geschlecht eintragen lassen.

Wie also geht das Gendern beim Schreiben?

Sparen Sie bei Genderzeichen

Geschlechtergerecht schreiben geht auch ohne Genderzeichen: ganz neutral, zum Beispiel mit abstrahierenden Begriffen wie Fachleute oder Abteilungsleitung, mit Partizipien im Plural wie Anwesende oder Mitarbeitende. Oft sind auch zu viele Personen im Text. Initiator*innen sind zum Beispiel Leute mit tollen Ideen. Schreiben Sie, was sie genau machen. So ist niemand ausgeschlossen oder falsch bezeichnet. Und der Text ist präziser und interessanter. Elegant sowieso.

Tipp

Bei allgemeingültigen Formulierungen wie Menschen, Personen oder Leute sind Frauen nicht erkennbar. Liegt Ihnen die Sichtbarkeit von Frauen am Herzen, machen Sie deren Leistungen oder Handlungen zum Thema. Ganz konkret ist besser als nebenbei.

Es gibt viel zu entdecken

Bei Genderleicht finden Sie viele, viele Tipps & Tools, wie Sie mit den Herausforderung des Genderns klarkommen können. Wandern Sie von Seite zu Seite, checken Sie die Angebote im Footer, finden Sie Antworten auf kniffelige Fragen im Textlabor und belesen Sie sich in unserem Blog. Auf einen Nenner gebracht haben wir alles so:

Methode Genderleicht

Nehmen Sie die Beidnennung, wenn Sie Frauen und Männer in Ihrem Text sichtbar machen wollen. Der Genderstern ist angebracht, wenn es Ihnen um trans- , intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen und um Frauen und Männer geht, alle in einem Wort. Genderzeichen stehen für die Vielfalt der Geschlechter. Der Gender-Doppelpunkt ist eine angeblich barrierearme Alternative, hat aber nicht die symbolische Kraft des Gendersterns. Setzen Sie diese Wortzusätze am besten nur im Plural und äußerst sparsam ein, damit der Text gut lesbar bleibt. Sparen Sie lieber bei den Personen, beschreiben Sie Tätigkeiten, oder einfach: worum es wirklich geht. Oft können Sie dasselbe mithilfe starker Verben sagen. Werden Sie kreativ beim Schreiben.

Gleichberechtigung und Freiheit von Diskriminierung stehen als fundamentale Prinzipien im Grundgesetz.