Textlabor #4

Artikel und Genderstern

Eine Genderleicht.de-Leserin hat sich mit einem Text aus dem Transportwesen an uns gewandt. Sie hat zwei Gendersternchen kurz hintereinander gesetzt, eines im unbestimmten Artikel, eines im dazugehörigen Wort.

,,Als Beispiel nehmen wir ein*e Lokführer*in, die…”

Irritiert fragt sie: Ist das korrekt so? Im weiteren Text hat sie dann lieber abgewechselt. An einer Stelle schreibt sie: ,,eine Lokführerin, die” und an einer anderen Textstelle: ,,einen Lokführer, der”. Vom Genderleicht-Textlabor erhofft Sie sich einen Tipp, wie sie solch ein Schreibproblem besser lösen kann.

Was bei diesem Textbeispiel sehr schön deutlich wird: Eine Veränderung der Sprache ruft andere Bilder hervor. Den Beruf des Lokführers halten Viele für einen typisch männlichen Beruf und liegen damit nicht einmal falsch: Nur ungefähr vier Prozent der Personen, die in Deutschland Schienenfahrzeuge führen, sind Frauen – sowohl in der Ausbildung, als auch später im Job. Wer die weibliche Bezeichnung nennt, zeigt dass es möglich ist, als Lokführerin zu arbeiten. Diese Formulierung macht zugleich diejenigen sichtbar, die diesen Berufsweg eingeschlagen haben.

Ihr Beispielsatz stellt Sie bei den Artikeln wie auch bei den Pronomen in grammatikalischer Hinsicht vor eine große Herausforderung. Diese müssen korrekt auf den Einsatz des Gendersternchens “reagieren”. Ein Satz mit einem Sternchen in einem Wort im Singular kann kompliziert werden, beim Schreiben wie beim Lesen. Die anerkannte Lösung ist: Weichen Sie auf den Plural aus. Dann muss kein weiteres Sternchen beim Artikel gesetzt werden.

Als Beispiel nehmen wir Lokführer*innen, die …”

Wenn Sie das Gendersternchen benutzen, enthält Ihr Text eine weitere Botschaft: Auch Trans*Personen können Lokführer werden. Je nach Medium oder Zielgruppe, also  wofür oder für wen der Text gedacht ist, ist ein Gendersternchen nicht unbedingt passend oder erwünscht. Verwenden Sie dann wenigstens die Beidnennung:

„Als Beispiel nehmen wir Lokführerinnen und Lokführer, die …“

Alternativ können sie den Satz neutral formulieren und dafür in einem Relativsatz die Tätigkeit beschreiben:

„Als Beispiel nehmen wir eine Person, die die Lok bedient …“

Und ein letzter Vorschlag: Werden Sie ganz konkret:

„Die Lokführerin Marianne B., die … wie Ihre Kollegen …“

Wir hoffen, wir konnten weiterhelfen.
Team Genderleicht

 

Mitten im Sprachwandel ist beim geschlechtergerechten Schreiben und Sprechen vieles noch offen. Das Team Genderleicht recherchiert fachlichen Rat und orientiert sich bei seinen Anregungen und Empfehlungen am allgemeinen Sprachgefühl.

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