Textlabor #7

Genderstern im Singular

Im Textlabor erreichen uns auch Anfragen von außerhalb des Medienbereichs. Sportvereine zum Beispiel erstellen Schriftstücke aller Art, mit denen Sie viele Menschen in ihrem Umfeld erreichen wollen. Dies ist die Frage:

Ich arbeite in einem Sportverein, in dem es aktuell eine Sportwartin gibt. Es kann später aber auch wieder ein Sportwart den Posten übernehmen. Wir schreiben an einem Handbuch, das zeitlos beide Möglichkeiten beinhalten soll. Nun stoßen wir auf Sätze wie: „Nach Absprache mit der Sportwartin/dem Sportwart…“

Wir nutzen das Gendersternchen, haben aber Probleme den Artikel in der Form zu schreiben: „der*die Sportwart*in“.

Wie würde das Gendersternchen in diesem Falle korrekt verwendet?

 

Zunächst einmal möchten wir Sie auf unsere Genderleicht-Schreibtipps  hinweisen. Die können Sie downloaden und beim Texten Ihres Handbuchs immer wieder zu Rate ziehen. Hier finden Sie viele hilfreiche Anregungen.

In ihrem speziellen Fall ist es der Singular des Wortes Sportwart, der beim Gendern von  „Sportwart*in“ Probleme macht. Der bestimmte Artikel muss korrekterweise ebenfalls  gegendert werden: „der* Sportwart*in“. Das klingt komisch und lässt sich nicht sprechen. Besser, aber immer noch holprig ist: „der/die Sportwart*in“. Kommt diese Formulierung im Text häufiger vor, leidet der Lesefluss. Im Plural gibt es diese Probleme mit dem Artikel nicht: „die Sportwart*innen, die …“. Bei Ihrem Sportverein ist jedoch nur eine Person mit der Aufgabe betraut.

Unser Tipp: Versuchen Sie sich beim Schreiben des Handbuchs sprachlich von der Person zu lösen und beschreiben Sie stattdessen die Tätigkeit. Arbeiten Sie mit geschlechtsneutralen Oberbegriffen. Wie wäre es mit: Spielorganisation, Platzverwaltung, Terminvergabe, Geräteausgabe etc.

Zum Beispiel so:

„Trainingszeiten sind mit der Platzverwaltung abzusprechen.“
„Bälle und Netze können Sie in der Geräteausgabe ausleihen.“

Ansonsten arbeiten Sie mit der Beidnennung :

„Der Sportwart oder die Sportwartin hat folgende Aufgaben:
Terminvergabe, Platzverwaltung, Geräteausgabe …“

Achtung: Die Beidnennung bezieht sich nur aufs männliche und weibliche Geschlecht, nicht auf geschlechtliche Variationen im Sinne von divers. Wie wäre deshalb folgende Lösung:

„Der Sportwart oder die Sportwartin (m/w/d) hat folgende Aufgaben …“

In der Aussage deutlicher und außerdem freundlicher wäre dies:

„Der Sportwart oder die Sportwartin (alle Geschlechter sind bei uns willkommen) hat folgende Aufgaben …“

Wenn Sie nun noch an den Singular sowohl bei der männlichen als auch bei der weiblichen Form ein Gendersternchen anhängen, machen Sie deutlich, dass das Geschlecht der Person, die mit der Sportwartung beauftragt ist, nicht festgelegt sein muss.

„Der Sportwart* oder die Sportwartin* (alle Geschlechter sind bei uns willkommen) hat folgende Aufgaben …“

Puh, kompliziert? Überlegen Sie, was zu Ihrem Verein passt. Die Entscheidung, das Handbuch geschlechtsneutral zu texten, ist schon mal sehr zeitgemäß.

Uns sind übrigens für den Vereinsbereich noch die Wörter „Kassenwart“ und „Pressewart“ eingefallen. Auch dafür gibt es Lösungen: „XY ist für die Kassenprüfung zuständig …“, „XY organisiert die Pressekontakte“ … und so weiter.

Viel Erfolg beim Texten Ihres Handbuchs!
Ihr Team Genderleicht

 

Linktipp: Genderleicht-Schreibtipps zum Download

Geschlechtergerecht und gendersensibel schreiben kann schwierig sein. Im Textlabor suchen wir Lösungen für Sie.

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