Textlabor #16

Genderstern nach Umlaut

Kurz hintereinander hat uns sozusagen die gleiche Frage zweimal erreicht. Dies hat im Textlabor zu intensiven Diskussionen um Grammatik und Linguistik geführt:

Ist es korrekt „Bäuer*innen“ oder „Französ*innen“ zu schreiben?

Der Duden sagt ganz klar: Nein!
Na ja, nicht ganz. Denn zum Gendersternchen äußert er sich nicht, weil ja auch der Rat für Deutsche Rechtschreibung die weitere Entwicklung der Sprache abwartet: So wie wir alle mit dem Sternchen umgehen, prägen wir seine linguistische Zukunft. Hui!

Was wir aber in der Duden-Sonderausgabe „Richtig gendern“ finden, ist auf Seite 41 die folgende Regel zum Gebrauch der Sparschreibung mit Schrägstrich und Bindestrich (/-):

„Wenn die feminine Form […] mit einem Umlaut gebildet wird, […] gibt es ja keinen gleichlautenden Wortteil, auf den man sich beziehen könnte. Solche Wortpaare können daher nicht verkürzt werden.“

Unverständlich? Machen Sie die sogenannte Weglassprobe: ergibt das Wort ohne die weibliche Endung noch einen Sinn? In diesem Fall: Leider nein, denn wer kennt schon einen „Bäuer“ oder einen „Französ“?

Was bedeutet das fürs Gendersternchen? Setzen wir es analog zum anerkannten Schrägstrich, wäre es zwangsläufig falsch, Bäuer*innen und Französ*innen zu schreiben.

Als Lösung für Sparschreibungen empfiehlt der Duden, das Wortpaar selbst mit Schrägstrich zu schreiben: also Bauern/Bäuerinnen; Franzosen/Französinnen. Nur, das war es dann mit dem Wörtersparen beim Schreiben. Da können wir genauso gut die besser lesbare Doppelnennung „Franzosen und Französinnen“ verwenden. Nur das Gendersternchen, um das es den Fragenden geht, haben wir dann immer noch nicht untergebracht.

Wir vom Team Genderleicht sind uns nicht einig, was bei diesem Problem mit Umlauten zu tun ist.

Die einen möchten Ihnen empfehlen: Halten Sie sich beim Gendersternchen an die strikten Dudenregeln zur Sparschreibung. Verzichten Sie auf Schrägstrich bzw. Gendersternchen vor der weiblichen Endung. Arbeiten Sie stattdessen mit Beidnennung und beziehen Sie diverse Personen mit einem ergänzendem Halbsatz mit ein: „Bauern, Bäuerinnen und andere Personen, die in diesem Bereich in der Landwirtschaft tätig sind“.

Die anderen sagen: Diese Lösung ist viel zu umständlich. Das Gendersternchen erfüllt perfekt den Zweck, alle Menschen mit einzuschließen. Außerdem spielen wir alle noch mit dem Gendersternchen herum und sind auf der Suche nach der besten Lösung. Und wir sehen längst, dass Bäuer*innen in Texten verwendet wird, genauso wie Französ*innen.

Und ganz ehrlich. Es verstehen doch alle, wer mit „Französ*innen“ gemeint ist: es geht um Franzosen und Französinnen und alle mit der Nationalität Französisch, die sich weder als männlich noch als weiblich verstehen.

Aber pfiffig, wie wir sind, schauen wir noch einmal in den Duden, war doch dessen Lösung: „Doppelnennung mit Schrägstrich dazwischen“. Setzen wir also anstelle des Schrägstrichs das Gendersternchen hin:

Bauern*Bäuerinnen oder Franzosen*Französinnen.

Sieht hübsch aus und könnte vielleicht auch die überzeugen, die auf korrekte Grammatik pochen.

Charmant grüßt das Team Genderleicht!

 

Linktipp: Genderleicht-Schreibtipps zum Download

Mitten im Sprachwandel ist beim geschlechtergerechten Schreiben und Sprechen vieles noch offen. Das Team Genderleicht recherchiert fachlichen Rat und orientiert sich bei seinen Anregungen und Empfehlungen am allgemeinen Sprachgefühl.

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