Textlabor #6

Knackige Überschriften

Bei dieser  Frage geht es ums Marketing. Aber auch im Journalismus sind kurze, knappe Texte wichtig, insbesondere bei Überschriften:

Ich habe die Herausforderung, in Marketingsätzen bzw. Claims eine inklusive Sprache einzuführen. Zum Beispiel: „Markenname – Verbindet Theater und Besucher“. Momentan wollen wir die männliche Bezeichnung als Ausnahme so stehen lassen, es soll eingängig und kurz sein. Ansonsten nutzen wir das *. Haben Sie einen alternativen Vorschlag?

Marketingsätze, „Claims“ genannt, sind kniffelig im Umgang mit geschlechtergerechter Sprache, genauso wie kurze Überschriften. Wer alle Geschlechter erwähnen will, nutzt dafür viele Wörter oder Genderzeichen. Das ist nicht immer erwünscht. Doch auch hierfür gibt es eine Lösung.

Was halten Sie davon, Personenbezeichnungen neutral zu formulieren, indem Sie ein Synonym verwenden? Aus „Besucher“ wird dann beispielweise „Publikum“. Auf www.geschicktgendern.de finden Sie ein Wörterbuch mit einer Ansammlung von alternativen gendergerechten Begriffen.

Was sich für Claims auch sehr gut eignet sind aussagekräftige Verben: „Markenname – verbindet Theater, mit denen, die es besuchen“ / „verbindet Theater, mit allen, die hinwollen“. Kürzer wäre es so: „Markenname – Theater für Alle“ oder „Markenname – Theater zum Mitmachen“ Beschreiben Sie, was Ihr Publikum erlebt und nicht das Publikum.

Wir kennen Ihre Marke nicht und was Sie genau sagen wollen. Vielleicht ergibt sich eine gute Formulierung aus dem Zusammenhang, wofür die Marke steht, und aus dem, was genau angeboten wird.

Manchmal lohnt es sich, von einer ganz anderen Richtung her zu denken. Frauen und überhaupt alle Geschlechter im Blick zu haben, kann dabei helfen, auf neue Ideen zu kommen.

Gelegentlich ist eine Beidnennung genau richtig. Es kommt auf den Inhalt an und wieviel Platz Sie zur Verfügung haben.

Auch wenn es beim Texten von gendersensiblen Claims und Überschriften solche Herausforderungen gibt, lassen Sie sich nicht entmutigen: Das oft vorgebrachte Argument, gendergerechte Sprache störe den Lesefluss und mache Texte schwer verständlich, gilt als widerlegt.

Bereits in einem 2007 erschienenen Aufsatz stellen die Wissenschaftlerinnen Friederike Braun, Susanne Oelkers, Karin Rogalski, Janine Bosak und Sabine Sczesny fest: Geschlechtersensible Texte werden sowohl von Männern als auch von Frauen gut erinnert und verstanden. Männer fanden die Textfassungen im generischen Maskulinum zwar besser, haben aber die anderen Fassungen genauso gut erinnert und begriffen. Außerdem: In Ihrer Zielgruppe sind ja sicher auch Frauen, oder?

Viel Spaß beim kreativen Claim-Finden!
Ihr Team Genderleicht

Linktipp
Braun, F. et al.: „Aus Gründen der Verständlichkeit“: Der Einfluss generisch maskuliner und alternativer Personenbezeichnungen auf die kognitive Verarbeitung von Texten, in: Psychologische Rundschau, 58 (3), Seiten 183 – 189, 2007

Mitten im Sprachwandel ist beim geschlechtergerechten Schreiben und Sprechen vieles noch offen. Das Team Genderleicht recherchiert fachlichen Rat und orientiert sich bei seinen Anregungen und Empfehlungen am allgemeinen Sprachgefühl.

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