Bilderkritik: Gewalt an Frauen

Ein gezeichneter Monitor in Rot ist ein Symbolbild für das Internet. Hier wird oft mit Gendersternchen und Gender-Gap geschrieben.

Das Thema Gewalt an Frauen wird häufig von den Medien aufgegriffen, rund um den Tag gegen Gewalt an Frauen, alljährlich am 25. November, und bei vielen weiteren Anlässen. Im Februar 2026 wurde die Dunkelfeldstudie LeSuBiA veröffentlicht. Das Bundeskriminalamt hat nun Daten über das Ausmaß von Gewalterfahrungen vorliegen. Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Angehörige der queeren Community sind besonders oft betroffen. Für Aufsehen hat eine Zahl gesorgt: Frauen zeigen weniger als fünf Prozent der körperlichen und psychischen Gewalt durch (Ex-)Partner an. 95 Prozent der Gewalterfahrungen bleiben so verborgen. Neue rechtliche Regelungen (Stichwort Fußfessel, K.o.-Tropfen) sind angekündigt. Doch es fehlt an einer ausreichenden Zahl an Frauenhäusern – und an präventiven Maßnahmen.

Jun.-Prof. Dr. Christine Meltzer, Hochschule Hannover, beobachtet seit Jahren, wie die Medien über das Gewaltthema berichten. Wir haben mit ihr mehrmals zusammengearbeitet. Sie hat bei Genderleicht & Bildermächtig einen Leitfaden für bessere Bilder beim Thema Gewalt an Frauen veröffentlicht.

Das Bündnis gemeinsam gegen Sexismus hat zum Weltfrauentag am 8. März 2026 den „Praxisleitfaden: Kompetent über geschlechtsspezifische Gewalt kommunizieren“ veröffentlicht. Darin eingeflossen sind viele unserer Erkenntnisse zur besseren Bebilderung beim Thema Gewalt an Frauen. Unsere Kritik an stereotypen Bildern finden Sie, wenn Sie weiterscrollen. Oder Sie springen gleich zu den positiven Beispielen.

 

So bitte nicht

Männerfaust und verängstigt kauernde Frau

Eine Frau hockt am Boden, Hände vorm Gesicht. Im Bildvordergrund eine zusammengeballte Männerfaust.

Screenshot HNA, 22.7.2025, ©Steffen Schellhorn, epd

Die Männerfaust ist das Symboldbild für Gewalt in der Partnerschaft. Das Bildmotiv wird immer wieder neu fotografiert. Es gibt unzählige Variationen davon.

Betroffene und Expertinnen kritisieren: Solche Bilder reinszenieren die Gewalt. Dies immer wieder zu sehen, retraumatisiert gewaltbetroffene Frauen.

Bilder mit der geballten Faust zeigen nur die körperliche Gewalt, nicht die psychische Gewalt. Frauen denken dann oft: So schlimm ist es ja nicht, er schlägt mich nicht.

Beschimpfungen und Drohungen, finanzielle Abhängigkeit wie auch die Angst um das Sorgerecht für die Kinder sind jedoch Bestandteil der Gewaltspirale.

Gewaltbetroffene Frauen wünschen empowernde Bilder, Fotosituationen, die einen Ausweg aufzeigen.

Die abwehrende Hand

Eine Frauenhand wird in die Kamera gestreckt, dahinter unscharf zu erkennen, eine Frau, die sich vor Schlägen schützt

Screenshot Nordkurier, 1.2.2025, ©Fabian Sommer, dpa

Eine Frau, die sich vor Schlägen zu schützen versucht. Sie streckt ihre schon kraftlose Hand dem gewalttätigen Mann entgegen. Sie scheint zu sagen: Bitte nicht schlagen! Diese Inszenierung ist problematisch: Sie kann auf Gewaltbetroffene retraumatisierend wirken.

Dieses Foto ist zu einem weiteren Symbol für das Thema der Gewalt durch den (Ex-)Partner geworden. Es wandert durch sämtliche Medien. Das kollektive Bildergedächtnis schickt den Betrachtenden sekundenschnell die Einordnung: Hier geht es um Gewalt an Frauen.

Das Hand-Motiv gibt es auch in Abwandlungen. Mal ist schemenhaft eine bedrohte oder gar verletzte Frau hinter der Hand zu erkennnen.

Seltener ist eine ausgestreckte Hand fotografiert, mit einer aufrecht stehenden Frau. Diese Bild hat dann eher die empowernde Botschaft: Stop. So nicht!

Hände als Schutzschild

Zwischen zwei Männerbeinen steht eine Frau. Nur ihre Beine im Rock, mit Pumps und Handtasche.

Screenshot Tagesspiegel, 20.11.2025, ©Fabian Sommer, dpa

Frau streckt beide Hände zur Kamera hin. Ihren Kopf hat sie zur Seite gedreht

Screenshot Mainpost, 10.8.2023, ©Getty Images

Eine Frau schau durch ihre zur Kamera gestreckte rechte Hand. Nur ihre Auge ist scharf zu sehen.

Screenshot Rheinische Post, 14.1.2022, ©istock

Eine Frau strecht ihre rechte Hand in Richtung der Kamera. Ihr Gesicht ist dadurch zum Teil verdeckt

Screenshot Sonntagsblatt, 2.2.2024, ©CCO, Canva

So traurig 

Frau sitzt im Gegenlicht im Zimmer eines Frauenhause, mit Bett und Stockbett

Screenshot WAZ, 8.3.2023 ©Maja Hilt, picture alliance, dpa

Der Klassiker für das Thema Frauenhaus: Eine Frau im Gegenlicht fotografiert, in einem Zimmer, das einer gewaltbetroffenen Frau mit ihren Kindern Zuflucht bietet. Meistens ist es eine Mitarbeiterin, die sich bereit erklärt, sich fotografieren zu lassen, jedoch keine Bewohnerin.

Für einen aktuellen Zeitungsbericht in einem Frauenhaus zu fotografieren, ist nahezu unmöglich. Jede Bewohnerin muss in ihrer Anonymität geschützt werden. Der Partner oder Ex-Partner soll nicht wissen, dass sie im Frauenhaus Schutz gefunden hat. In diesem Artikel geht es um das überlastete Frauenhaus in Oberhausen, doch auch Außenaufnahmen sind tabu.

Diese gestellten Fotos wirken immer sehr traurig. Das Ankommen in der fremden Umgebung ist bestimmt zunächst sehr schwierig. Bilder von Unterstützung und Frauenfreundschaft könnten jedoch ermutigend wirken, mit der Hoffnung auf ein neues, glücklicheres Leben. Die Flucht ins Frauenhaus war schon für viele gewaltbetroffene Frauen ein positiver Wendepunkt.

Wie es besser geht

Symbolbild rote Schuhe

Viele rote Schuhpaare stehen auf einem öffentlichen Platz

Screenshot Stuttgarter Zeitung, 3.3.2021, ©Imago, Xinhua

Viele rote Schuhe: Pumps, Stiefeletten, Sneaker stehen verteilt auf einem öffentlichen Platz. Jedes Paar erinnert an eine Frau, die ermordet worden ist. Die symbolische Aktion gegen Femizide ist ein Bildmotiv, das häufig zum Einsatz kommt,  wie hier von der Stuttgarter Zeitung.

„Zapatos Rojas“ war 2009 zunächst eine Kunstinstallation. Die mexikanische Künstlerin Elina Chauvet protestierte damit gegen Gewalt an Frauen in der Stadt Ciudad Juarez, wo hunderte Frauen über Jahre entführt, vergewaltigt und ermordet wurden. In Deutschland wird statistisch gesehen jeden dritten Tag eine Frau getötet, nur weil sie eine Frau ist. Das Aufstellen roter Schuhe wurde weltweit zum Symbol für den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt. 

Wut und Mut: Demo

Frauendemo mit orangefarbenen Schildern. Aufschrift u.a. Gewalt ist keine Liebe

Screenshot Neue Ruhrzeitung, 26.11.2025, ©Markus Joosten, Funke Foto Service

Ein Schild, das sagt: „Gewalt ist keine Liebe“ hat eine stärkere Aussage als die oben erwähnten Bilder der geballten Faust. Politischer Protest, in Gemeinschaft und auf der Straße, solche Demobilder haben eine große Kraft und eine positive Ausstrahlung.

Fotos von Demonstrationen können mühelos auch dann zur Bebilderung verwendet werden, wenn nicht gerade über eine Protestaktion berichtet wird, wie in diesem Artikel. In jeder Bilddatenbank befinden sich Demobilder mit aussagekräftigen Schildern.

Bei Berichten, die Frauen ermutigen sollen, sich aus der Spirale der Gewalt zu befreien, helfen empowernde Bildsituationen. Bilder mit der Botschaft des Widerstands gegen Gewalt an Frauen und der Solidarität.

Aufforderungen

Auf einer orangefarbenen Bank steht mit großen Buchstaben: Kein Platz für Gewalt an Frauen

Screenshot Evangelische Zeitung, 14.5.2025, ©imago, Bihlmayerfotografie

Ein Mann hält das Pappschild #METOO hoch. Nur seine Augen sind sichtbar

Screenshot Spiegel, 25.11.2024, ©Ekaterina Pereslavtseva, IMAGO

Ein Schild steht auf dem Boden, davor ein paar rote Schuhe und eine Kerze. Rote Schrift: Stoppt Femizide!

Screenshot BR24, 30.6.2025, ©Vladimir Menck, SULUPRESS.DE, picture alliance

Ein Demoschild aus Pape in Form eines Stopschildes mit Aufschrift: Stop Femicide

Screenshot Neue Osnabrücker Zeitung,, 26.11.2024, ©Svantje Hehmann

Stop! So nicht!

Frau streckt ihre Hände abwehrend einem Mann entgegen

Screenshot Tagesspiegel, 23.3.2025, ©Andrej Lisakov

Eine Frau in einer abwehrenden Haltung, ihr Gesichtsausdruck ist entschieden. Sie ist weder verzweifelt, noch sichtbar verletzt. Diese Szene könnte Frauen Mut machen, sich einem Streit mit dem Partner entgegenzustellen: frühzeitig NEIN sagen, die Situation beenden, bevor es zu einer Gewaltspirale kommt. 

Dieses Bild ist eine Alternative zu den vielen Fotos, bei denen eine Frau ihre Hand in Richtung der Kamera streckt. Es ist wesentlich positiver. Es trifft den Wunsch von Betroffenen, empowernde Bilder in den Medien zu sehen. 

In dem Artikel des Tagesspiegel geht es um Trainings zur gewaltfreien Lösung von Konflikten in der Partnerschaft.  

Im Bild: wütender Mann

Ein schreiender Mann und eine Frau, die mit ihren Händen ihr Gesicht zuhält

Screenshot ARD Mediathek, 29.10.2025 ©Collage ohne Angaben

Ein ungewöhnliches Bild, das auf die ARD-Fernsehdokumentation „Woher kommt die Wut auf Frauen?“ aufmerksam macht.

Ungewöhnlich, weil die Emotion eines Mannes gezeigt wird: sein Schreien, seine Wut. Dies ist eine Alternative zur sonst üblichen Inszenierung aus der Perspektive des Gewalttäters: Das Gesicht des Mannes ist nie zu sehen, nur seine bedrohliche Faust. 

Kritik: Auch diese Collage ist eine Reinszenierung von Gewalt. Braucht es das wirklich?

Schutz im Frauenhaus

Screenshot ZEIT Online: Rückenansicht zwei Frauen. Die linke hat rote Haare, zum Dutt hochgesteckt, die rechte trägt ein beigefarbenes Kopftuch, sie hat den Arm um die Schulte der anderen gelegt.

Screenshot ZEIT am Wochenende, Ausgabe 46/2023
© Marzena Skubatz für DIE ZEIT

Screenshot DIE ZEIT, 15.11.2023, ©Marzena Skubatz

Zwei Frauen in der Rückenansicht. Eine der beiden trägt ein Kopftuch, sie hat den Arm um die Schulter der anderen gelegt. Die Bildunterschrift klärt auf: Es sind die Leiterinnen eines Frauenhauses. Sie möchten ihre Anonymität wahren und sind deshalb von hinten fotografiert. Ebenfalls erwähnenswert: Dieses Foto dokumentiert eine vorgefundene Situation. Es ist kein Symbolbild aus einer Bilddatenbank. Das Foto ist der Aufmacher zu einer Reportage über ein Frauenhaus.

Das Bild erzählt noch mehr: Die Körperhaltung hat etwas Beschützendes. Dies enthält eine wichtige Botschaft: Im Frauenhaus finden Betroffene den Schutz, den sie brauchen. Und: Muslimische Frauen haben hier auch eine Ansprechpartnerin, denn die Kopftuchtragende ist selbst Muslima.

Im Gegenlicht von Regentropfen bei Nacht leuchtet ein roter Regenschirm. Schemenhaft ist eine Frau mit langen Haaren zu erkennen

Screenshot ZEIT Online, 27.11.2024, ©Sina Schuldt, dpa

Ein neutrales Bild, das dennoch Aufmerksamkeit für das Thema der geschlechtsspezifischen Gewalt erzeugt. Das ist ein neuerer Trend: Stimmungsvolle Fotos oder Grafiken zu zeigen, ohne individuelle Personen sichtbar zu machen. Symbolische Darstellungen ermöglichen es, indirekt auf die Realität von Gewalt hinzuweisen.

Bei näherer Betrachtung lässt sich dieses Bild jedoch mit der Angst vor einem nächtlichen Überfall in einer dunklen Straße in Verbindung bringen. Dabei passieren die meisten Gewalttaten im sozialen Nahraum, so wie der Artikel die häusliche Gewalt thematisiert und das Gewalthilfegesetz.

Dreimal hinschauen bei der Auswahl der Bilder ist unverzichtbar – und immer der Gegencheck: Passen Text und Bild zueinander, oder transportiert das Bild eine gegensätzliche Information?

Assoziative Lösungen

Eine Glasscheibe mit einer großen Bruchstelle

Screenshot Vogue Germany, 25.11.2025, ©Rene de Haan

Zwei Hände halten Schlüsselbunde in die Höhe

Screenshot Tagesspiegel, 23.11.2025, ©Riccardo De Luca, Anadolu Agency, IMAGO

Porzellanscherben liegen ausgebreitet auf einer Tischplatte

Screenshot Märkische Allgemeine, 20.2.2023, ©Fabian Sommer, dpa

In einer dunklen Fläche sind Männerhände zu sehen. Sie sind leicht geballt

Screenshot ZEIT Online, 1.1.2025, ©Collage, 500px, Getty Images

Graphische Lösungen

Zeichnung: in einer Zeilscheibe stecken drei Messer. In der Mitte der Scheibe ist ein Frauenzeichen

Screenshot Fluter, 3.5.2025, ©Fluter

Auf rotbraunem Hintergrund das gezeichnete Profil eines Frauengesichts. Eine Hand greift der Frau an den Hals.

Screenshot FAZ, 24.11.2024, ©Interaktive Graphik, Corinna Zander

Zeichnung: Eine selbstbewußtwirkende Frau hat die rechte Hand zum Stoppzeichen erhoben

Screenshot WAZ, 20.6.2023, ©Adobe Stock, Good Studio

In einer Aktensammlung ragt das Schildchen "Femizid" heraus

Screenshot rbb23 Inforadio, 15.2.2026, ©Sascha Steinach, ZB, picture alliance

Gewalt gegen Frauen

Leitfaden für bessere Bilder

Bildermächtig-Fotoprojekt Femizid

Elli ist tot

Augen auf bei der Bildauswahl

Zeigen Sie nicht nur bedrohliche Situationen, sondern betonen Sie auch den Prozess der Aufarbeitung und Heilung. Bilder können eine positive Stimmung und den Mut der Betroffenen vermitteln, Strategien zur Überwindung von Gewalt zu entwickeln.

Gewalt gegen Frauen: Leitfaden für bessere Bilder

Genderleicht & Bildermächtig

Ideen und Impulse

Stereotypen und Klischees beim Bebildern vermeiden? Wir haben zahlreiche Leitfäden und Checklisten für Sie zusammengetragen. 

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