Gendergerecht schreiben – Der Spiegel macht es, der Verband der Pressesprecher auch, die Stadtverwaltungen von Hannover, Flensburg und Lübeck sowieso. Immer mehr Medienhäuser, Institutionen, Unternehmen und Verwaltungen sind überzeugt: sprachliche Gleichberechtigung ist zeitgemäß, dem Gendern gehört die Zukunft. Das Ob ist nicht mehr die Frage. Jetzt geht es um das Wie. Gerne helfen wir hier weiter und erklären die Methode Genderleicht – elegant und einfach gendern in sieben Schritten.

 

Methode Genderleicht

Schritt 1

Ändern Sie Ihre Schreibroutinen

Haben Sie bei jedem Satz, den Sie schreiben, die Kategorie Geschlecht im Blick. Genauso wie Sie Groß- und Kleinschreibung, Kommasetzung und Zeitform nebenbei und automatisiert kontrollieren, können Sie sich auch fragen: Ist bei Personenbezeichnungen eine geschlechtliche Dimension überhaupt wichtig? Gemeint sind Wörter wie Steuerzahler, Bittsteller, Werbetreibender etc. Sind das wirklich nur Männer? Vermutlich nicht, dann brauchen Sie eine andere Lösung. Mühsam? Ach was, nach kurzer Zeit wird dieser kleine Kontrollgedanke zur Gewohnheit.

 

Schritt 2

Vermeiden Sie das generische Maskulinum

Texte sollen lebendig, anschaulich und nah am Menschen sein, gerade im Journalismus. Deshalb kommen vielfach Personenbezeichnungen zum Einsatz – aus Gründen der Einfachheit und Schnelligkeit im generischen Maskulinum. Doch diese männliche Bezeichnung hat als Oberbegriff, bei dem sich alle mitgemeint fühlen, ausgedient. Die deutsche Sprache differenziert nach Geschlecht und die Sprachgemeinschaft ist ausgesprochen sensibilisiert dafür, genau hinzuhören. Das Maskulinum versagt deshalb auf ganzer Linie.

 

Schritt 3

Schreiben Sie geschlechtsneutral

Geht es in dem Satz, den Sie gerade schreiben wollen, gar nicht um konkrete Personen, geschweige denn um deren Geschlecht, wählen Sie geschlechtsneutrale Formulierungen, wie wir sie auch in unseren Schreibtipps erläutern. Oberbegriffe, Synonyme, Umschreibungen, Partizipien – es gibt so viele Variationen, dasselbe zu sagen. Wählen Sie das zu Ihrem Schreibstil Passende.

 

Schritt 4

Beschreiben Sie Tätigkeiten und nicht Personen

Der wichtigste Tipp, um aus der Schreibroutine des generischen Maskulinums herauszukommen, ist die Rückkehr zum Beschreiben von Tätigkeiten. Mit diesem Beispiel wird deutlich, was wir meinen:

Steuerzahler:
wer Steuern zahlt – alle, die Steuern zahlen – wer mit der Steuerzahlung den Staat finanziert – die Pflicht zum Steuerzahlen – beim Steuerzahlen usw.

 

Schritt 5

Machen Sie Frauen in Ihrem Text sichtbar

Die Kritik am generischen Maskulinum hat sich vor allem daran entzündet, dass es Frauen unsichtbar macht. Beim geschlechtsneutralen Schreiben sind sie wieder hinter Wörtern verborgen. Drehen Sie den Spieß um und entscheiden Sie Satz für Satz, wo es richtig ist, Frauen konkret zu benennen. Und Männer. Das geht meistens über Beidnennung. Je näher Sie mit ihrem Satz an realen Personen sind, desto mehr kommt es auf korrekte Bezeichnung an. Seien Sie präzise.

 

Schritt 6

Schreiben Sie für alle Geschlechter

Es gibt nicht nur Frauen und Männer. Denken Sie beim Schreiben auch an die Dritte Option „divers“: Menschen, die intergeschlechtlich oder trans-gender sind und sich aus sehr persönlichen Gründen nicht als Frau oder Mann sehen. Benutzen Sie für Personenbezeichnungen das Gendersternchen, den Gender-Gap oder auch den Doppelpunkt, am besten im Plural, im Singular wird es grammatikalisch schwierig. Oder machen Sie die geschlechtliche Vielfalt mit Worten deutlich.

 

Schritt 7

Machen Sie den Gendercheck

Der Text ist fertig? Nun können Sie mit Hilfe unseres Genderchecks überprüfen, ob das mit dem Gendern gut geklappt hat. Spricht Ihr Text alle Geschlechter an? Sind die handelnden Personen korrekt benannt? Haben Sie zum Beispiel berufliche Positionen genannt und das nicht nur bei den Männern? Haben Sie stereotype Beschreibungen von Frauen und Männern vermieden?

 

Noch dies mit auf den Weg

Verstehen Sie uns bitte richtig – Gendern bedeutet nicht schmusige Texte zu schreiben und Menschen mit Samthandschuhen anzufassen. Es geht ausschließlich darum, komplexe Personen korrekt zu bezeichnen. Betrachten Sie die Umstellung auf geschlechtergerechte Sprache als Justierung Ihres journalistischen Handwerkszeugs: Journalismus soll Gesellschaft und Politik kritisch begleiten – und die Wirklichkeit abbilden, so gut es geht – mit stets treffenden Worten.

Christine Olderdissen
Christine Olderdissen

Projektleiterin Genderleicht.de

Als das erste Mal eine Interviewpartnerin ganz selbstverständlich mit dem Gender-Gap sprach, war das für sie als Fernsehjournalistin ein Signal: Schluss mit dem generischen Maskulinum. Lieber nach einer sprachlichen Alternative suchen. Eine gute und elegante Lösung findet sich immer.

Genderleicht.de

Auf Genderleicht.de finden Sie nützliche Tipps & Tools, wie Sie diskriminierungsfrei schreiben und sprechen, sowie Argumente und Fakten für die gendersensible Medienarbeit.

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