Erkennen Suchmaschinen eigentlich Genderstern und Gender-Gap?

Der ultimative Suchmaschinen-Test

Probieren wir mal aus, was passiert, wenn wir nach dem Wort „Journalist*innen“ suchen.

Mit dem Genderstern …

Google, mit 85% Prozent aller Suchanfragen der Topdienstleister, liefert Ergebnisse in den Schreibweisen Journalistinnen und – Überraschung: „Journalist/innen“ und „Journalist/-innen“.

Die ökologische Suchmaschine Ecosia und die kleinere Suchmaschine duckduckgo bieten zunächst Ergebnisse mit Genderstern. Nach den ersten Treffern wechseln sie auf dieselbe Schreibweise wie Google.

Die Suchmaschine Startpage kann mit der gegenderten Schreibweise nichts anfangen und ersetzt den Suchbegriff durch „Journalistinnen“.

Die wissenschaftliche Suchmaschine MetaGer bringt zunächst eine große Menge an Ads hervor, die alle mit dem Wortstamm Journalist erscheinen. Im weiteren Verlauf der ersten Seite liefert sie Ergebnisse äquivalent zu Google, mit den Schreibweisen: Journalist/-innen, Journalist/innen und Journalistinnen.

… und mit dem Gender-Gap?

Ähnlich verhalten sich die Suchmaschinen beim Nutzen des Gender-Gaps.

Google versichert sich nach Eingabe der Schreibweise Journalist_innen, ob mit genau diesem Begriff gesucht werden soll: „Meinten Sie Journalistinnen?“. Alternativ kann der Suchbegriff Journalistinnen ausgewählt werden.

Gute Resultate liefert Ecosia. Sie enthalten die Schreibweisen Journalist_innen, Journalist*innen und Journalist/innen.

Duckduckgo und Startpage zeigen keine Treffer in dieser Schreibweise.

Gegenprobe: Binnen-I?

Die Nutzung des Binnen-I schafft bei allen Suchmaschinen keine Ergebnisse in genau dieser Schreibweise. Die Binnen-I Nennung verschwindet in Überschriften und URLs. Die Such-Eingabe „JournalistInnen“ wird zu Journalistinnen mit kleinem I und liefert Artikel und Anzeigen nur im generischen Femininum.

Fazit für die Suche nach gegenderten Begriffen

Der Suchmaschinen-Test hat gezeigt, dass die gängigen Suchmaschinen mit den Schreibweisen von Gendersternchen und Gender-Gap passabel umgehen können. Wer also mit diesen Wortzusätzen Texte schreiben will, kann das machen. Optimal ist das alles aber (noch) nicht.

Weiterlesen:

„Der Google-Algorithmus ist frauenfeindlich“, schreibt Kathi Grelck auf tn3, nachdem sie von zwei SEO-Experten, einem Mann und einer Frau erfährt: „… dass meine Website auf Google ein schlechtes Ranking hat. Und das nur, weil ich eine Frau bin.“ Die Texterin geht dieser These nach und findet viele interessante Gründe für den Umgang der Suchmaschine mit weiblichen Bezeichnungen. Sie zeigt Möglichkeiten auf, damit strategisch umzugehen. Sie zitiert aber auch eine weitere Expertin, die dazu rät auf stur zu schalten, damit sich Google früher oder später anpasst. „Schließlich wird der Algorithmus von Menschen entwickelt und kann verbessert werden.“

Wer fürs eigene Business gute Suchergebnisse benötigt, z.B. als Lektorin, Texterin oder Rechtsanwältin, der empfiehlt Sandra Meinzenbach von textskizzen.de eine subversive Arbeitsweise im Umgang mit Keywords, Metadaten und Websitelinks, jedenfalls solange, bis die Suchmaschinen für ein gutes Ranking bei weiblichen Berufsbezeichnungen sorgen.

Anna E. Poth
Anna E. Poth

Referentin Genderleicht.de

Diskutiert viel und gerne, um andere Leute zum Umdenken und Hinterfragen anzustoßen. Das gendergerechte Sprechen lässt die Journalistin und Regisseurin freier Theaterproduktionen noch sensibler auf ihr Gegenüber eingehen. 

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