Eine Mannschaft sind 11 Frauen

von | 14. Juni 2019 | Gendern im Journalismus, Medienschau

Trillerpfeife, die wie ein Fußball aussieht, liegt auf grünem Kunstgras

Immer pfeifen beim Wort Mannschaft? Die Alternative ist "Team", nur ist das ein Anglizismus.
Foto: Christine Olderdissen

Schönen Fußball gibt es die Tage im Fernsehen zu sehen. Bei der FIFA-Frauen-WM 2019 kämpfen Fußballerinnen aus 24 Ländern um Sieg, Ehre und den Pokal. ARD und ZDF legen sich mächtig ins Zeug und haben für die professionelle Berichterstattung nahezu gleichviel Männer wie Frauen besetzt. Alles paletti. Wenn da nur nicht dieses dumme Wort „Mannschaft“ wäre.

 

Über das Maskulinum bei der Fußball-WM

Eine Mannschaft, die nur aus Frauen besteht, das ist inhaltlich falsch: Mann-schaft. Kein Mann weit und breit, also nicht bei den Spielerinnen, und nur die rennen übers Fußballfeld. Stattdessen „Frauschaft“ zu sagen, klingt komisch oder sind wir es nur nicht gewöhnt? Dabei kennt der Duden das Wort und definiert die Frauschaft als ein „aus weiblichen Mitgliedern bestehendes Team“. Ah! Da kommt das Wort „Team“ ins Spiel. Eine Alternative zur „Mannschaft“, die offensichtlich der Duden favorisiert.

Doch das Wort „Mannschaft“ ist in den Stunden rund um die Fernsehübertragung der Frauenfußball-WM wieder und wieder zu hören. Es hat sich so tief eingeschliffen in das Wording zum Fußball, dass es – zack – über die Lippen flutscht. Ist das schlimm? Nö, aber das schiefe Sprachbild fällt auf, wenn erstmal die Sinne für geschlechtergerechte Sprache geschärft sind.

Claudia Neumann (ZDF), die sich als Fernseh-Kommentatorin im Männerfußball durchgesetzt hat, benutzt Mannschaft häufig, Stefanie Baszyk (ARD) sagt es eher selten und Bernd Schmelzer (ARD), so meine Beobachtung, hat es im Vorrunden-Spiel Jamaika – Italien komplett vermieden. Er sprach vom Team und den Spielerinnen oder nannte sie mit der Nationalität; die Torhüterin bezeichnete er zur Abwechslung als „Keeperin“. Es geht also.

Aber Hut ab vor der Leistung der Kommentierenden. Das muss spontan und schnell gehen und wenn mal wieder das Wörtchen Mannschaft fällt, gibt es eben kein Fleißbienchen. Mit der Zeit und dem medialen Erfolg des Frauenfußballs aber, so wünsche ich es mir, sollte die „Mannschaft“ aus dem Vokabular verschwinden. Aber was dann? Das frage ich mich ehrlicherweise auch. Den Begriff „Team“ kennen wir zwar alle, es ist allerdings ein Anglizismus, und Frauschaft ist keine echte Alternative. Oder könnten wir uns daran gewöhnen, wie an die „Kauffrau“? Ach dieses „Mannschaft“ ist doch echt ein Dilemma.

Schwieriger finde ich den Sprachgebrauch bei den Spielerinnen und ihrer Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die bleiben im Sprachduktus des Männerfußballs, reden von Mannschaft, Gegner und Sieger, obwohl sie sich in Wettkampfzeiten den lieben langen Tag mit Frauen umgeben. Almuth Schult, die ja sehr gut reden kann, bezeichnet dann prompt in einer Pressekonferenz ihre Kolleginnen und sich selbst als „Torhüter“. Ob sich das mal ändert? Bleiben wir am Ball!

 

Textalternativen:

Deutschlands Fußballfrauen | die deutsche Elf | Team | Spielerinnen

 

Nachtrag August 2022

Soeben ist die EM 2022 zuende gegangen, mit den erfolgreichen deutschen Frauen: nur im Finale von den Engländerinnen geschlagen. Tolle Leistung!

Wie schon bei der WM 2019 sauste uns bei den TV-Übertragungen der Fußballspiele das Wort „Mannschaft“ um die Ohren. Dann soll es wohl so sein. Nehmen wir es ganz entspannt als Fachwort für das sportliche Miteinander – egal ob Frauen oder Männer.

Amüsant in diesem Zusammenhang ist jedoch die Info, dass der DFB den Ausdruck „Die Mannschaft“ als Slogan für das Nationalteam der Männer abschaffen will. Reichlich Kritik und die Mißerfolge von 2014 haben der Marke zugesetzt. Der Abgesang kommt, wie es scheint, zur rechten Zeit. Wir haben schließlich noch das Nationalteam der Frauen, das im allgemeinem Sprachgebrauch auch fortwährend „Mannschaft“ genannt wird.

Portrait Christine Olderdissen

© Katrin Dinkel

Christine Olderdissen

Genderleicht & Bildermächtig Projektleiterin

Als das erste Mal eine Interviewpartnerin mit dem Glottisschlag sprach, war das für sie ein Signal: Schluss mit dem generischen Maskulinum, lieber nach einer sprachlichen Alternative suchen. Eine einfache und elegante Lösung findet sich immer. Lange Zeit Fernsehjournalistin galt ihr Augenmerk schon immer der Berichterstattung ohne Stereotype und Klischees.

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