Schönen Fußball gibt es die Tage im Fernsehen zu sehen. Bei der FIFA-Frauen-WM 2019 kämpfen Fußballerinnen aus 24 Ländern um Sieg, Ehre und den Pokal. ARD und ZDF legen sich mit professioneller Berichterstattung mächtig ins Zeug. Ihre berichterstattenden Teams sind nahezu 50:50 mit Frauen und Männern besetzt. Alles paletti. Wenn da nur nicht dieses dumme Wort „Mannschaft“ wäre.

Eine Mannschaft, die nur aus Frauen besteht, das ist inhaltlich falsch: Mann-schaft. Kein Mann weit und breit, also nicht bei den Spielerinnen und nur die rennen übers Fußballfeld. Stattdessen „Frauschaft“ zu sagen, klingt komisch oder sind wir es nur nicht gewöhnt? Dabei kennt der Duden das Wort und definiert die Frauschaft als ein „aus weiblichen Mitgliedern bestehendes Team“. Ah! Da kommt das Wort „Team“ ins Spiel. Eine Alternative zur „Mannschaft“, die offensichtlich der Duden favorisiert.

Doch das Wort „Mannschaft“ ist in den Stunden rund um die Fernsehübertragung der Frauenfußball-WM wieder und wieder zu hören. Es hat sich so tief eingeschliffen in das Wording zum Fußball, dass es – zack – über die Lippen flutscht. Ist das schlimm? Nö, aber das schiefe Sprachbild fällt auf, wenn erstmal die Sinne für geschlechtergerechte Sprache geschärft sind.

Claudia Neumann (ZDF), die sich als Fernseh-Kommentatorin im Männerfußball durchgesetzt hat, benutzt Mannschaft häufig, Stefanie Baszyk (ARD) sagt es eher selten und Bernd Schmelzer (ARD), so meine Beobachtung, hat es im Vorrunden-Spiel Jamaika – Italien komplett vermieden. Er sprach vom Team und den Spielerinnen oder nannte sie mit der Nationalität; die Torhüterin bezeichnete er zur Abwechslung als „Keeperin“. Es geht also.

Aber Hut ab vor der Leistung der Kommentierenden. Das muss spontan und schnell gehen und wenn mal wieder das Wörtchen Mannschaft fällt, gibt es eben kein Fleißbienchen. Mit der Zeit und dem medialen Erfolg des Frauenfußballs aber, so wünsche ich mir, sollte die „Mannschaft“ aus dem Vokabular verschwinden. Aber was dann, das frage ich mich ehrlicher Weise auch. Den Begriff Team kennen wir zwar alle, es ist allerdings ein Anglizismus, und Frauschaft ist keine echte Alternative. Oder könnten wir uns daran gewöhnen, wie an die „Kauffrau“? Ach dieses „Mannschaft“ ist doch echt ein Dilemma.

Schwieriger finde ich den Sprachgebrauch bei den Spielerinnen und ihrer Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die bleiben im Sprachduktus des Männerfußballs, reden von Mannschaft, Gegner und Sieger, obwohl sie sich in Wettkampfzeiten den lieben langen Tag mit Frauen umgeben. Almuth Schult, die ja sehr gut reden kann, bezeichnet dann prompt in einer Pressekonferenz ihre Kolleginnen und sich selbst als „Torhüter“. Das fällt richtig auf, in dem von Reporter Hermann Valkyser makellos weiblich getexteten Beitrag: „Die Angst der Torfrau vorm Elfmeter“.

 

Textalternativen:

Deutschlands Fußballfrauen | die deutsche Elf | Team | Spielerinnen

Christine Olderdissen
Christine Olderdissen

Projektleiterin Genderleicht.de

Als das erste Mal eine Interviewpartnerin ganz selbstverständlich mit dem Gender-Gap sprach, war das für sie als Fernsehjournalistin ein Signal: Schluss mit dem generischen Maskulinum. Lieber nach einer sprachlichen Alternative suchen. Eine gute und elegante Lösung findet sich immer.

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