Nicht nur in Zeiten von Corona arbeiten wir bei Genderleicht im Home Office. Seit Beginn des Projekts ist der eigene Schreibtisch unser regulärer Arbeitsplatz. Als Freiberuflerinnen arbeiten wir für Genderleicht dezentral von Bonn, Köln, Berlin und Dresden aus und treffen uns nur virtuell im Büro. Unser wöchentliches Team-Meeting halten wir per Skype ab – ohne Anfahrtszeiten- und Kosten. Um alle Aufgaben im Blick zu haben, nutzen wir die Kollaborationssoftware Taskworld. Wir erledigen unsere Aufgaben fristgemäß und wenn es etwas zu besprechen gibt, greifen wir zum Telefon.

Wir haben gute Erfahrungen mit der virtuellen Zusammenarbeit

Zuhause eingesperrt – wie ist das auszuhalten?

Anna E. Poth, Referentin

Home Office in Krisenzeiten bewährt sich und ist gut für Gesundheit und Psyche. Schon letztes Jahr konnte ich zwei Monate mit sehr eingeschränktem Bewegungsradius und nur ausgewählten Sozialkontakten lernen, wie hilfreich und auch stützend Home Office sein kann. Durch einen schweren Sportunfall war sehr plötzlich meine einzige und regelmäßige Arbeit die Referentinnentätigkeit für Genderleicht.

Unsere Skype-Konferenzen und meine To Dos gaben mir eine Routine, aber auch Halt, um nicht im Hochsommer mit wenigen Freizeitmöglichkeiten durchzudrehen. Daher kann ich jetzt, in  Zeiten für Corona, mitgeben:

Das Arbeiten im Home Office ist machbar und stützt in Krisenzeiten! Rausgehen an die frische Luft ist wichtig und gibt Ausgleich. Alles andere – darauf konnte ich zwei Monate durchaus verzichten. Das könnt ihr also auch für zwei bis drei Wochen locker schaffen, um die Corona Krise etwas einzudämmen und die Risikogruppen zu schützen. Freut euch über die kleinen Dinge im Leben. Skype-Telefonate mit Kolleg_innen oder Freund_innen sind goldwert!

Meine Tipps:

  • Immer genug Getränke beim Skypen bereitstellen
  • To Do Liste pro Tag schreiben
  • Feste Pausenzeiten und auch beim Skypen kurze Pausen einrichten

Und mit Kindern?

Katalin Vales, Referentin

Home Office mit Kindern kann durchaus funktionieren. Mir helfen dabei Selbstdisziplin, ein sinnvolles Beschäftigungskonzept für die Kinder, klare Absprachen, Gelassenheit, ein Wecker, ein Radio und ja, gelegentlich auch mal der Fernseher – bei besonders wichtigen Telefonaten oder als Belohnung für selbstständiges und streitarmes Spielen in einer Lautstärke, die konzentriertes Arbeiten ermöglicht. Und außerdem müssen Kinder auch mal schlafen – je nach Alter sogar tagsüber.

Home Office bedeutet für mich nicht Wäsche erledigen und Putzen, sondern so viel wie möglich konzentriert zu arbeiten. Devise: Etwas schaffen ist immer noch besser als gar nichts schaffen.

Schon vor Genderleicht habe ich mit den Kindern im Home Office gearbeitet, bzw. zusammen mit sechs anderen Eltern und deren Kleinkindern im Co-Working-Space. Bei der Betreuung und beim Kochen haben wir uns abgewechselt, sodass immer jemand eine längere Zeit am Stück arbeiten konnte. Es gab einen extra Raum für Mittagsschlaf und sobald die Kids eingeschlummert waren, haben wir Mütter und Väter gemeinsam in die Tasten gehauen. Was wir tagsüber nicht geschafft haben, haben wir abends fertig gestellt. Es war eine anstrengende, aber auch schöne Zeit.

Jetzt, wo wegen Corona die Schulen und Kitas geschlossen sind, macht mir das für meine eigene Arbeit nicht wirklich Angst. Klar, die Arbeitszeit ist zerstückelt: Essen zubereiten, Streit schlichten, trösten, Experimente bewundern, Schulaufgaben betreuen und all die Micro-Gespräche reißen immer wieder aus der Arbeit raus, aber das gilt für Kolleginnen und Kollegen im Büro auch. Was auch wichtig ist: ganz viel loben und sich bedanken, wenn die Kids sich so verhalten haben, dass gearbeitet werden konnte. Denn sie sind keine Maschinen und so merken sie, dass auch sie dazu beitragen können, gut durch solche Ausnahmezeiten zu kommen.

Die Zeit mit Kindern im Home Office möchte ich nicht missen. Klar weiß ich, dass das nicht in allen Berufen möglich ist. Aber dort, wo ein Büroarbeitsplatz in einen Home Office-Platz umgewandelt werden kann, muss das keine Katastrophe sein. Ich kann nur dazu ermutigen, die kommende Zeit nicht als Belastung, sondern als Chance zu sehen.

Meine Tipps:

  • Home Office heißt nicht Urlaub
  • Was tagsüber nicht erledigt wird, muss am Abend oder am Wochenende nachgearbeitet werden
  • Zeiten für Telefonate und Deadlines vereinbaren und einhalten

Ist das viele Skypen nicht anstrengend ?

Christine Olderdissen, Projektleitung

„Was, Ihr skypt zwei Stunden und mehr?“ Ja, das passiert bei unserem vierköpfigen Team Genderleicht einmal die Woche und ist gut so. Wir haben eine Menge zu besprechen – Aktualisierungen unseres Webportals, Anfragen wegen Workshops, Koordination von Aktivitäten, Textabnahmen, Ideen für unseren Twitter-Account, Rückfragen vom ehrenamtlich agierenden Vorstand des Journalistinnenbundes und, und, und. Dazwischen führen wir Diskussionen um das Gendern als Solches, welche Fragen tauchen auf und wie wollen wir die lösen? Es ist genug Raum da, um einander zuzuhören, Pro- und Contra-Diskussionen zu führen und neue Strategien zu entwickeln.

Wir haben eine feste Verabredung, Mittwochmorgen um 9 Uhr verbindet uns Skype eine nach der anderen, wir schalten die Kameras an den Bildschirmen an und plaudern ein wenig über Privates zum Warmwerden: „Wie geht es dem Fuß, Anna?“, „Wie kommst du mit dem Feature voran, Katalin?“ und „Wo sitzt du heute, Johanna?“. Aber dann wird gearbeitet, die Agenda Punkt für Punkt besprochen und die anstehenden Aufgaben verteilt.

Das Beste an Skype ist, wir können sehen, wenn eine die Stirn kräuselt und nachdenklich wird, oder wenn eine andere schon die Lippen für einen Einwurf spitzt. Es ist ein demokratisches Format. Und obwohl wir in den nunmehr 13 Monaten der Zusammenarbeit nur ein einziges Mal alle vier in einem Raum waren und wir uns auch sonst nur vier oder fünfmal persönlich begegnet sind, kennen wir uns gut. Wir wissen, wie jede tickt, können uns aufeinander verlassen und unser Projekt Genderleicht.de auf hoch produktive Weise voranbringen.

Meine Tipps:

  • Handys stumm schalten
  • Stichworte vorher notieren: was müssen wir besprechen?
  • Kameraperspektive kontrollieren: Was ist hinter mir zu sehen?

Ein Traumjob für Studierende?

Johanna Bamberger, Assistentin

Wenn ich in meinem Bekanntenkreis von meinem Home Office Job bei Genderleicht erzähle, kriege ich regelmäßig neidische Blicke zugeworfen. Die Möglichkeit von Zuhause zu arbeiten, sich den Arbeitsweg zu sparen und einen gemütlichen Arbeitsplatz zu schaffen, scheint wie ein wahrgewordener Traum für viele Studierende. Doch wer kennt es nicht: „Ich arbeite heute mal von zuhause“ ist oft gleichbedeutend mit Ausschlafen, Scheinarbeit und einem ganzen Tag in Jogginghose. Zuhause sein, das wird von vielen mit Freizeit verbunden.

Was vor allem erforderlich ist, ist Selbstdisziplin. Manche haben sie schon, manche müssen sie erst erlernen, aber Selbstdisziplin ist unglaublich wertvoll, auch für mein Studium, und Home Office ist die beste Möglichkeit, diese Fähigkeit zu üben.

Vereinfacht wird das Ganze, wenn ich auf zu legere Kleidung verzichte, mir einen Ort für angenehmes Arbeiten schaffe und realistische Arbeitsziele festlege. Auch zuhause ist es wichtig, feste Pausen- und Arbeitszeiten einzuplanen, sonst besteht leicht die Möglichkeit sich zu verzetteln.

Home Office muss auch nicht gleichbedeutend sein mit Isolation. Einmal pro Woche tauschen wir uns im Team per Skype aus. Ich bin für das Protokoll zuständig und dokumentiere alle wichtigen Arbeitsschritte und neuen Ideen. Die Protokolle dienen als Reminder, und das ein oder andere Mal konnte eine gute Idee zu einem anderen Zeitpunkt wieder aufgegriffen werden.

Als ich mich erst einmal mit dem neuen Arbeitsmodell angefreundet hatte, zeigten sich die zahlreichen Vorteile. Mein Job schenkt mir Flexibilität, die ich von vorherigen Jobs bisher noch nicht in dieser Form kannte und auch nicht mehr missen möchte. Mobilität ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, und ich bin dankbar auf Reisen weiterhin arbeiten zu können, auch wenn ich darauf in Zeiten von Corona für das Gemeinwohl gerne verzichte.

Meine Tipps:

  • Arbeitsschritte dokumentieren, um sich vor Augen zu führen, was bereits alles erreicht wurde
  • An einem angenehmen Ort arbeiten
  • Auf die Jogginghose verzichten
Anna E. Poth
Anna E. Poth

Referentin

Anna E. Poth diskutiert viel und gerne, um andere Leute zum Umdenken und Hinterfragen anzustoßen. Das gendergerechte Sprechen lässt sie auch als Theaterregisseurin noch sensibler auf ihr Gegenüber eingehen. Ihre journalistischen Projekte können zudem auf der Bühne wiedergefunden werden.

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Auf Genderleicht.de finden Sie nützliche Tipps & Tools, wie Sie diskriminierungsfrei schreiben und sprechen, sowie Argumente und Fakten für die gendersensible Medienarbeit.

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