Er ist nur ein typographisches Zeichen. Aber nun werden dem Genderstern Schönheit und Eleganz verpasst, wenn es nach Hannah Witte geht. Die Grafikdesignerin hat Konzepte entwickelt, wie sich Genderzeichen harmonischer in das Schriftbild einfügen könnten. Im Mittelpunkt steht der Genderstern. Auch zum Gender-Gap hat sie sich etwas einfallen lassen. Nachzulesen und vor allem anzuschauen in ihrem Buch „Typohacks“. Eines Tages, denn noch ist es nicht gedruckt. Zunächst gilt es, für das Buchprojekt Geld einzusammeln.

 

Typographie-Ratgeber für gendersensible Sprache

Geschlechtliche Vielfalt mit den Mitteln der Sprache zu verdeutlichen, das ist Hannah Witte eine Herzensangelegenheit. Umso erstaunter war sie, dass sie bei ihren studentischen Praktika auf wenig Gegenliebe zum Gendern stieß. Sie bekam zu hören: Das Sternchen störe im Schriftbild, es sei nicht ästhetisch und typographisch sowieso nicht korrekt. Kund*innen sei von der Verwendung abzuraten. Sie wurde auf die zahlreichen Fachbücher zur Typographie verwiesen. Unter teils mikro-typographischen Regeln, wann welches Zeichen idealerweise zu setzen sei, fand sie keine Hinweise zu Genderzeichen. Woher auch, die Entwicklung ist neu.

„Also muss ich das machen“, sagte sie sich, damals noch Grafikstudentin. „Ein Buch zu typographischen Ideen für gendersensible Sprache, damit Gestalter*innen ihren Teil beitragen können.“ Aus der Idee wurde ein typographisches Konzept, zunächst für ihre Bachelorarbeit zum Abschluss ihres Studiums an der Folkwang-Universität Essen.

Weiße Löcher vermeiden

Hannah Wittes Favorit ist das Sternchen: „Weil es in alle Richtungen strahlt und das gesamte Genderspektrum meint. Ich finde es passend, dass es einen gewissen Raum einnimmt und visuell auffällig ist.“ Sie versteht aber auch die Kritik aus gestalterischer Sicht: Das Sternchen, wie es bei einem Klick auf der Tastatur in den Text saust, steht so hoch zwischen den Buchstaben, dass dadurch weiße Löcher im Schriftbild entstehen. „Wenn es da oben sitzt, hat es eher die Funktion vom Asterisk und wird als Fußnote verstanden.“ Hannah Witte hat eine Lösung, die überzeugend wirkt: „Das Sternchen etwas herunterschieben, nicht bis zur Mitte, sondern leicht erhöht, damit klar wird, das ist ein Genderstern.“

Auch beim Gender-Gap wird oft der Weißraum als für die Lesbarkeit störend kritisiert, berichtet sie. Die Lücke beim Unterstrich lasse etwas offen, das wirke negativ. „Vielmehr als den Strich zu verkleinern, ihn schmaler und vielleicht auch dünner zu machen, kann ich typographisch kaum tun“, überlegte Hannah Witte. Als Ergebnis ihre Versuche würde sie die Idee des sogenannten Skalierens nicht weiter verfolgen: „Je kleiner der Unterstrich wird, desto mehr ist es nur ein kleines Strichchen, das viel zu unauffällig zwischen den Wortteilen sitzt.“

 

 

Zurück zu Hannah Wittes Überlegungen für einen schöneren Genderstern. Die zweite Möglichkeit sei, den Stern kleiner werden zu lassen, vergleichbar einem Kleinbuchstaben, sagt sie. Ihre dritte Idee ist, anstelle des i-Punktes ein Sternchen auf das I zu setzen. So wie es auch schon Luise F. Pusch vorgeschlagen hat, aber deren Idee wurde bisher als nicht praktikabel angesehen. Die junge Designerin dagegen ist überzeugt, auch das ist machbar. Erst vor wenigen Tagen hat sich bei ihr via Instagram ein Grafiker gemeldet. Er sei dabei einen Code zu entwickeln, der das Sternchen automatisch auf das kleine i schiebe, anwendbar in Word, also für alle, die Texte am Rechner schreiben. Eine Idee, die er sich patentieren lassen sollte!

 

Gestalterische Machbarkeiten

Hannah Witte ist jedoch nicht auf die Standardschriften fixiert. Als Grafikerin nutzt sie die Möglichkeiten von Gestaltungssoftware. Damit kann bei Print- und Webprodukten das Gendersternchen relativ mühelos in eine attraktive Position gebracht werden. Ihr Buch Typohacks soll die Idee unter Gestalter*innen populär machen, damit gendersensible Sprache als angenehm und schön empfunden wird.

Die zweite Möglichkeit wäre, die Code-Idee voranzubringen. Die dritte wäre, an Schriftdesignerinnen mit dem Wunsch heranzutreten, das Gendersternchen in ihren Schriften entsprechend zu gestalten. Wie das gehen kann, dafür hat die Schriftgestalterin Charlotte Rohde bei Wittes Crowdfunding-Kampagne Ideen vorgelegt.

 

Crowdfunding für Typohacks

Hannah Witte hat das feste Ziel vor Augen, dass sich „Typohacks“ zu einem typographischen Grundlagenbuch entwickelt: eine Art Nachschlagewerk mit Anregungen fürs Gendern mit visuellen Effekten, aufzufinden in den Bibliotheken der Kunsthochschulen und in jeder Agentur. Dafür hat sie das Buch mit Hinweisen zu den sprachlichen Methoden des Genderns ausgestattet wie auch Interviews geführt, um den Diskurs zum antidiskriminierenden Sprachhandeln in der Tiefe abzubilden.

Unterstützung für ihr Buchprojekt fand die junge Grafikerin bei der Chefredaktion des Form Design Magazin, bei Nina Sieverding und Anton Rahlwes. Gemeinsam haben sie eine hochprofessionelle Crowdfunding-Kampagne initiiert, die schon beim Anschauen Lust auf das perfekte Gendersternchen macht.

 

Typohacks unterstützen

Hier geht es zum Crowdfunding bei Startnext. Unbedingt anschauen: In einem kurzen Video stellt Hannah Witte ihr Buch selbst vor und blättert darin.

Christine Olderdissen
Christine Olderdissen

Projektleiterin Genderleicht.de

Als das erste Mal eine Interviewpartnerin mit dem Glottisschlag sprach, war das für sie als Fernsehjournalistin ein Signal: Schluss mit dem generischen Maskulinum. Lieber nach einer sprachlichen Alternative suchen. Eine gute und elegante Lösung findet sich immer.

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