Immer wieder freitags gerät die Nachrichtenwelt in Schieflage: „Schüler demonstrieren für eine bessere Klimapolitik“ lautet die Überschrift bei Berichten zu Fridays-for-Future-Demonstrationen. Auf dem Bild dazu aber sind aber auffällig viele Schülerinnen zu sehen. Text-Bild-Schere heißt so etwas im Journalismus: Wenn Text und Bild inhaltlich Unterschiedliches aussagen, ist das ein handwerklicher Fehler.

 

„Schülerinnen und Schüler“ – ein unlösbares Problem?

 

Das Sprachgefühl ist bei vielen Leserinnen und Lesern mittlerweile so ausdifferenziert, dass bei der Verwendung eines männlich konnotierten Wortes die Frage aufkommt: Waren keine Mädchen und Frauen dabei? Kurz: Das generische Maskulinum „Schüler“ sorgt für Irritation. Denn es hat sich herumgesprochen – und ist auch auf den Bildern und Fernsehaufnahmen unübersehbar – beim Schulstreik fürs Klima sind vor allem Mädchen aktiv, und das weltweit, mit der Folge, dass bei den Demonstrationen viele „Schülerinnen“ zu sehen sind.

 

 

Wir bei Genderleicht wurden von einer Redaktion des SWR via Twitter gefragt, ob wir etwas Besseres wüssten als die Doppelnennung Schülerinnen und Schüler. „Vielleicht Lernende?“ war ihr Vorschlag. Unsere Antwort darauf ist: „Leider nein“.

Bei den Studenten und Studentinnen hat sich das Wort „Studierende“ als Alternative weitgehend etabliert. Natürlich äußert hier und da mal jemand den Einwand, die Studierenden würden nicht studieren, wenn sie gerade eine Pizza essen. Nun ja, ein Privatleben haben auch der Vereinsvorsitzende oder die Vorstandsvorsitzende. Sie dürfen trotzdem rund um die Uhr mithilfe einer Partizipial-Konstruktion benannt werden.

 

„Lernende“ sind keine Alternative

Um „Schüler und Schülerinnen“ mit einem einzigen geschlechtsneutralen Wort benennen zu können, fehlt es schlicht an einem treffenden Verb, aus dem sich ein Partizip als Nomen ableiten ließe. „Lernende“ sind wir alle. Im besten Fall lernen wir tagtäglich und bis ins hohe Alter dazu. Der Begriff ist zu ungenau, um diejenigen damit zu bezeichnen, die in die Schule gehen. Ah, in-die-Schule-gehen wäre so ein Begriff, aber als Partizip untauglich. Einfach zu lang.

Halten wir fest – für Schüler und Schülerinnen sind wir alle noch auf der Suche nach einer guten Lösung. Trotzdem können wir geschlechtergerecht über Schulstreik oder Klimastreik berichten: Wer mag, setzt Sternchen oder Gender-Gap, wo es passt. Oder nimmt beim Texten Synonyme – Jugendliche, Kinder oder Schulkinder, junge Leute, junge Menschen usw.

 

Beidnennung: sagt wer es ist

Wer die Beidnennung „Schülerinnen und Schüler“ benutzt, benennt korrekt die handelnden Personen. Beim Sprechen geht das paarweise Nennen schnell und benennt korrekt die handelnden Personen. Nur für Überschriften ist und bleibt das zu lang. Aber hey – sprachliche Fantasie gehört zur journalistischen Jobanforderung dazu.

Was wir vorschlagen

Schulstreik fürs Klima
Demo fürs Klima
Fürs Klima auf die Straße
Junge Leute besorgt ums Klima
Jugendliche kritisieren die Klimapolitik
Fridays-for-Future-Bewegung
Zum Schulstreik gehen heute Tausende auf die Straße

Was noch

Bei Twitter ist das Kürzel SuS für „Schülerinnen und Schüler“ in Gebrauch.

Im Textlabor #12 | Viele Männer, eine Frau | gibt es weitere Überlegungen zum Begriff „Schüler und Schülerinnen“.

Christine Olderdissen
Christine Olderdissen

Projektleiterin Genderleicht.de

Als das erste Mal eine Interviewpartnerin ganz selbstverständlich mit dem Gender-Gap sprach, war das für sie als Fernsehjournalistin ein Signal: Schluss mit dem generischen Maskulinum. Lieber nach einer sprachlichen Alternative suchen. Eine gute und elegante Lösung findet sich immer.

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