Print. Radio. Fernsehen: Die öffentliche Debatte über geschlechtergerechte Sprache ist in vollem Gange. Das Thema erfährt in allen Bereichen eine steigende Aufmerksamkeit und wird kontrovers diskutiert. Besonders beliebt sind Videos. Sie sind einfach zu konsumieren, vielseitig, rund um die Uhr verfügbar und für ein breites Publikum zugänglich. Ein weiterer Pluspunkt: Die Videos dauern meist nur wenige Minuten und lassen sich prima zwischendurch anschauen.

Ein paar genderleichte Fundstücke auf YouTube

Wir haben uns auf YouTube umgesehen. Die Recherche zeigt: Gendern ist hier ein viel diskutiertes Thema. Von der Straßenumfrage über Pro-Contra-Video bis zum Tutorial wird geschlechtergerechte Sprache von allen Seiten beleuchtet.

Wir haben die schönsten und spannendsten Beiträge in einer YouTube-Playlist auf dem Kanal des Journalistinnenbundes gesammelt und möchten die interessantesten Fundstücke kurz vorstellen.

 

Funk liefert drei gute Gründe

Angefangen mit funk: Das junge Content-Netzwerk von ARD und ZDF ist ganz vorne mit dabei. Auf vielen funk-Kanälen ist gendersensible Sprache und das Bemühen, alle Geschlechter anzusprechen, bereits seit geraumer Zeit Praxis. . Es wird sich aber auch inhaltlich mit dem Thema auseinandergesetzt. In dem Video vom Kanal Auf Klo  “Richtig gendern – Weg vom generischen Maskulinum #gendersprache” zeigt die Moderatorin Maria, wie es geht. Doch warum sollten wir uns die Mühe machen, unsere Sprache zu überdenken?

  • Sprache verändert Denken.
  • Das generische Maskulinum ist out.
  • Gegenderte Sprache spricht alle Menschen an.

Das sind drei gute Gründe, denen wir nur zustimmen können!

 

“Bin ich ein Chemiker?”

Mai Thi Nguyen-Kim vermittelt auf ihrem YouTube-Kanal MaiLab naturwissenschaftliche Themen auf verständliche und unterhaltsame Art. Als Wissenschaftsjournalistin sind nicht mehr nur Spachtel und Reagenzglas ihr Werkzeug, sondern vor allem Sprache. Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung, doch was ist gute und was schlechte Kommunikation? In dem Video “Sollte man gendern?” liefert sich Mai Thi Nguyen-Kim einen kurzen Schlagabtausch mit sich selbst: Mit Pro- und Kontraargumenten zum Gendern verdeutlicht sie die Vorbehalte und Gründe, die dafürsprechen.

Fazit bei MaiLab: Einfach mal ausprobieren. Kreativität zahlt sich aus und hilft dabei, die individuell passende Form zu finden.

 

Spricht unser Hirn Männersprache?

Ja, wenn es nach der PULS Reportage “Geschlechtergerechtigkeit: Unser Hirn spricht Männersprache!” vom BR geht, die schon 2015 online ging. Verdeutlicht wird dies mithilfe von kleinen Gedankenexperimenten, die die Reporter:innen Ariane Alter und Sebastian Meinberg mit Passant:innen und Grundschulkindern durchführen. Lann Hornscheidt ist auf dem Gebiet der Gender Studies tätig und zeigt die sprachwissenschaftliche Entwicklung. Die Autorin Anne Wizorek kommt ebenfalls zu Wort.

Was uns an dem Video auffällt: Bei der Straßenumfrage wissen Viele noch nichts mit der Thematik anzufangen. Das Video zeigt so nebenbei, dass geschlechtergerechte Sprache im öffentlichen Diskurs an Bedeutung gewinnt. Eine Wiederholung der Umfrage aus 2015 würde im aktuellen Gender-Hype des Jahres 2020 vermutlich ganz andere Ergebnisse zeigen. Das wäre sicher sehr spannend zu sehen.

 

Politisch korrekte Sprache – Muss das sein?

Auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nehmen sich des Themas vermehrt an. In dem ZDF online-Debattenformat 13 Fragen antworten sechs Teilnehmer:innen auf eben jene brisanten gesellschaftlichen Fragen, die im Zusammenhang mit politisch korrekter Sprache aufkommen.

Mit von der Partie sind die Journalistinnen Seyda Kurt und Julia Monro, Schriftsteller Nele Pollatschek, der Kabarettist Marius Jung, der Autor und Professor Torsten Schulz und Karen Schmied, die Programmchefin von Radio Fritz. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beziehen Stellung, indem sie sich auf einem auf dem Boden markierten Pro- oder Contrafeld positionieren. Sie diskutieren, gehen gegenseitig Kompromisse ein und kommen dadurch schlussendlich vielleicht im Mittelfeld zusammen. Ein wichtiges und interessant gemachtes Format, das den Diskussionsbedarf und die Relevanz eines Dialogs auf der Suche nach einer guten Lösung verdeutlicht.

Jo Schück, der die Kultursendung aspekte selbst souverän gendersensibel moderiert, führt durch die Fragerunde. Seine Beweggründe und Erfahrungen mit dem Gendern hat er uns vor einiger Zeit in einem Interview verraten.

 

Ein animierendes Video

FUMA, die Fachstelle Gender und Diversität NRW, erklärt in einem kurzen Animationsvideo, warum Gendern wichtig ist.

Sprache sollte die Vielfalt der Realität wiedergeben. Gezeigt wird dies anhand von ein paar konkreten Beispielen. Lösungsvorschläge werden gleich mitgeliefert. Das Erklärvideo ist durch die Animationen kurzweilig und leicht verständlich. So einfach kann es gehen.

 

Unser Fazit

YouTube ist eine schnelllebige und produktive Plattform. Auch für den Diskurs zu sprachlichen und gesellschaftlichen Strukturen finden sich hier hochinteressante Beiträge. Die Plattform selbst wird immer vielfältiger und alte Rollenbilder werden aufgebrochen. Eine Entwicklung, die wir mit Freude beobachten: Frauen machen nicht nur Videos zum Thema Beauty und Männer Inhalte zum Gaming. Es bleibt spannend, die Entwicklung zu verfolgen, auch zu unserem Thema, dem Gendern.

Wir haben unsere Fundstücke in einer Playlist zusammengetragen.
Im YouTube-Kanal des Journalistinnenbundes finden Sie zahlreiche spannende Beiträge:
Genderleicht-Video-Playlist

Haben wir ein gutes Video übersehen? Kennen Sie weitere Clips, die wir der Playlist hinzufügen sollten?
Dann melden Sie sich gerne unter: kontakt@genderleicht.de

Johanna Bamberger
Johanna Bamberger

Assistentin Genderleicht.de

Reist gerne und viel durch Ost- und Westeuropa. Ihre Neugierde bringt sie nicht nur an spannende Orte, sondern führte sie auch zur gendergerechten Sprache und zu zahlreichen Gendervideos. Dem Projektteam steht sie mit ihrem organisatorischen Talent zur Seite.

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