Wenn Genderfans beim Formulieren hängenbleiben, ist das Team Genderleicht zur Stelle: Im Textlabor tüfteln wir auf Anfrage an praxistauglichen, lesefreundlichen Lösungen.

Labor für geschlechtergerechte Sprache

Wie andere Laboratorien auch untersuchen wir kleine Proben und experimentieren mit geringen (Text-)Mengen, um daraus Rückschlüsse aufs „große Ganze“ abzuleiten. Wir decken Zusammenhänge auf und entwickeln Lösungswege – für uns ein ideales Experimentierfeld, um zu prüfen, ob das, was wir auf der Genderleicht-Website sagen, tatsächlich immer umgesetzt werden kann – nämlich, dass Gendern leicht sein kann und auch im Journalismus möglich ist.

Die Idee: Experimentieren, prüfen, Lösungen entwickeln

Geschlechtergerecht und gendersensibel zu schreiben, kann knifflig sein – selbst für die, die von der Sache vollkommen überzeugt sind. Wie muss es da erst jenen gehen, die gendersensibler Sprache und geschlechtergerechtem Journalismus (noch) skeptisch gegenüberstehen? Jenen, die Gegenwind aus ihren Redaktionen bekommen oder die in einem sehr spezialisierten Bereich wie beispielsweise Medizinjournalismus arbeiten, oder die unter Zeitdruck in Nachrichtenredaktionen knackige Info-Texte schreiben müssen?

Im Textlabor arbeitet das Team von Genderleicht an Vorschlägen und Ideen für besonders knifflige Formulierungen. Spoiler: Eine einfache Schablone, die für alle Texte passt, gibt es nicht. Universallösungen funktionieren selten. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – eine Erkenntnis, die wir durch ein Jahr Textlabor-Arbeit gewonnen haben.

Zahlen und Fakten

Im Schnitt erreichen das Textlabor im Monat sechs Anfragen. Daraus sind im ersten Jahr 23 veröffentlichte Textlabor-Texte entstanden – also zwei pro Monat. Ein Textlabor-Text enthält in verkürzter Form die Kernfrage und eine fundierte Antwort. Diese Texte können meist auch als PDF-Dateien heruntergeladen werden.

Nicht jede Anfrage führt zu einem eigenständigen Textlabor-Text. In einigen Fällen können wir schnell und direkt per E-Mail helfen. Wir suchen dann individuelle Lösungswege, verweisen auf passende Textstellen innerhalb von Genderleicht.de oder schicken Links zu externen Webseiten, die für das Problem hilfreich sein könnten. Wenn sich Fragen wiederholen, verweisen wir auf bereits bestehende „Textlabore“ und freuen uns, dass wir zügig antworten können.

Der Sache auf den Grund gehen

Viele der Anfragen sind eine echte Herausforderung – wenn es zum Beispiel so aussieht, als gäbe es keine Lösung. Nicht umsonst heißt es TextLABOR – diejenigen mit großem Latinum werden sich daran erinnern, dass das Wort „Labor“ vom lateinischen laborare abstammt und „arbeiten“, „leiden“ oder „sich abmühen“ bedeutet. Leiden trifft es nicht ganz, denn das Finden von Antworten für die Textlabor-Anfragen macht großen Spaß. Aber „abmühen“ – das passt manchmal ganz gut – im positivsten Sinne natürlich. Denn Genderleicht will es genau wissen, der Sache auf den Grund gehen und fundierte, brauchbare Lösungen bieten.

Bei richtig kniffligen Fragestellungen lässt die Antwort-E-Mail von Genderleicht schon mal eine Weile auf sich warten. Aber wir antworten, jeder einzelnen Anfrage! Im virtuellen Labor beraten wir im Team mögliche Lösungswege, arbeiten an Formulierungen, nehmen Kontakt zu Linguistinnen auf, recherchieren in verschiedenen Quellen, fragen in der Dudenredaktion nach und hören uns im Netzwerk des Journalistinnenbundes nach weiteren Ideen um – die Anonymität unserer Fragenden wird dabei natürlich gewahrt.

Laborgefäße – natürlich gewachsene Kategorien

Wir analysieren, setzen zusammen, nehmen etwas von hier und etwas von dort, fügen hinzu und lassen weg, kreieren etwas ganz Neues oder verändern bereits Bekanntes minimal. Als Labor für geschlechtergerechtes Schreiben und gendersensiblen Journalismus verwenden wir für unsere Entwicklungen keine Petrischalen, Reagenzgläser oder Messkolben, sondern ordnen die Anfragen bestimmten Kategorien zu:

  • Genderstern
  • Grammatik
  • Lesequalität
  • Schreiben
  • Sprechen

Diese Textlabor-Kategorien sind nach und nach gewachsen und zeigen, wo es besonders viel Informationsbedarf gibt, zum Beispiel beim Genderstern.

Sprachpolizei? Wir doch nicht!

Genauso wenig wie die Onlineplattform Genderleicht.de dogmatisch ist, sind es unsere Textlabor-Antworten. Sie sind gedacht und präsentiert als Empfehlung: Wir machen keine Vorschriften, stellen keine starren Regeln auf und verteufeln nichts.

Wir bemühen uns darum, Anregungen zu geben, die sich in der Praxis umsetzen lassen und berücksichtigen dabei das Umfeld, in dem ein Text erscheinen soll. In der Regel zeigen wir mehrere Möglichkeiten auf, indem wir unsere Sprachdiskussion transparent machen. Wir hoffen damit ein gutes Beispiel zu geben, für alle, die selbst über die Lösung eines Gendersprachproblems nachdenken.

Das Genderstern-Grammatik-Dilemma

Zuweilen erreichen uns regelrecht verzweifelte Anfragen rund um die Grammatik und vor allem im Zusammenhang mit dem Gendersternchen. Da heißt es zunächst einmal: Ruhe bewahren. Gendern darf nicht verbissen sein, Lösungen müssen praxistauglich sein. Es ist nicht (immer) leicht, aber auch nicht unmöglich, da Antworten zu finden. Manchmal sieht die Lösung aber anders aus als erwartet.

Wiederkehrende Themen sind Grammatik-Monster im Zusammenhang mit dem Gendersternchen, Fragen rund um die Anrede in E-Mails und in persönlichen Gesprächen sowie immer wieder: die Lesequalität.

Aber auch sehr spezielle Anfragen landen im Textlabor, zum Beispiel: ob und – wenn ja – wie Wichtel oder Kleinbauernfamilien gegendert werden. Ob es richtig ist Vorständin, Mitgliederin oder Gästin zu schreiben. Oder wie Schüler und Schülerinnen gendersensibel dargestellt werden können. Die Antworten auf diese Fragen werden sehr häufig angeklickt.

Feedback der Fragensteller*innen

Auf unsere Textlabor-Antworten erwarten wir keine Gegenantworten. Manchmal bekommen wir aber welche. Über die folgenden Mini-Feedbacks, die wir hier anonym veröffentlichen, haben wir uns sehr gefreut:

„Herzlichen Dank für die prompte, hilfreiche und sympathische Rückmeldung! Mir gefällt Ihr Vorschlag.“

 

„…herzlichen Dank für die ausführliche und fundierte Antwort auf meine Frage. Ihre Erläuterungen zu lesen, war mir eine Freude: klar, in verständlicher Sprache und sehr, sehr ansprechend. Ich bin über […] auf Sie aufmerksam geworden. Und gerne empfehle ich Sie weiter.“

 

„Vielen Dank für die schnelle Antwort und die vielen Denkanstöße zum gendergerechterem Schreiben und Sprechen.“

Erhellende Momente garantiert

Neugierig geworden? Schmökern Sie doch mal ein bisschen in unserem Textlabor. Sie werden wahre Schätze entdecken!

 

 

Wo wir uns das Wissen herholen

Steinhauer, Anja; Diewald, Gabriele (2017): Richtig Gendern. Wie Sie
angemessen und verständlich schreiben. Erschienen im Dudenverlag

Duden (Hrsg.) (2019): Gendern – ganz einfach. Mit vielen Beispielen, erschienen im Dudenverlag

Genderwörterbuch von Johanna Usinger

Katalin Valeš
Katalin Valeš

Referentin Genderleicht.de

Kennt Print- und Hörfunkredaktionen von innen und stand anfangs dem Gendern skeptisch gegenüber. Doch die vielen Argumente dafür, haben die freie Journalistin überzeugt. Inzwischen formuliert sie selbst gendersensibel und hat festgestellt: es geht und macht sogar Spaß.

Genderleicht.de

Auf Genderleicht.de finden Sie nützliche Tipps & Tools, wie Sie diskriminierungsfrei schreiben und sprechen, sowie Argumente und Fakten für die gendersensible Medienarbeit.

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